pr_nachts_8_4_stef_gr.jpg pr_nachts_2_4_gr.jpg pr_nachts_4_1_gr.jpg pr_nachts_4_3b_stef_gr.jpg pr_nachts_9_5_gr.jpg pr_nachts_6_4b_stef_gr.jpg pr_nachts_9_1b_stef_gr.jpg pr_nachts_7_2_gr.jpg pr_nachts_1_5_gr.jpg pr_nachts_3_6_gr.jpg pr_nachts_7_6_gr.jpg pr_nachts_9_1_stef_gr.jpg nachts_9_4_gr.jpg pr_nachts_6_3_gr.jpg pr_nachts_3_5_gr.jpg pr_nachts_7_5_gr.jpg nachts_5_1_gr.jpg nachts_2_2_gr.jpg nachts_4_2_gr.jpg pr_nachts_3_3_gr.jpg pr_nachts_6_6_gr.jpg pr_nachts_8_5_gr.jpg pr_nachts_8_5b_gr.jpg pr_nachts_8_1_gr.jpg pr_nachts_2_1_gr.jpg pr_nachts_1_1_gr.jpg pr_nachts_7_1_gr.jpg pr_nachts_5_2_gr.jpg pr_nachts_3_2_gr.jpg pr_nachts_5_4_gr.jpg pr_nachts_1_2_gr.jpg nachts_8_3_gr.jpg pr_nachts_5_3_gr.jpg pr_nachts_8_2_gr.jpg nachts_6_5_gr.jpg nachts_1_4_gr.jpg nachts_6_1_gr.jpg pr_nachts_2_3_gr.jpg pr_nachts_4_2c_stef_gr.jpg pr_nachts_4_4_gr.jpg pr_nachts_6_2_gr.jpg pr_nachts_6_4_stef_gr.jpg pr_nachts_9_3_stef_gr.jpg pr_nachts_7_4_gr.jpg pr_nachts_4_2b_gr.jpg pr_nachts_7_3_gr.jpg pr_nachts_4_3_gr.jpg pr_nachts_2_5_gr.jpg pr_nachts_8_6_gr.jpg pr_nachts_3_4_gr.jpg nachts_3_1_gr.jpg pr_nachts_6_4c_gr.jpg pr_nachts_1_3_gr.jpg pr_nachts_4_3c_stef_gr.jpg

Die Kulturwoche, 11.7.2009 - Tristan Jorde
Der Heinrich aus der Hölle - Die Premierenkritik
Der achte Abend im Zyklus "Nachts" von sireneOperntheater, "Der Heinrich aus der Hölle", hatte eine Episode aus dem von Leo Perutz geschilderten und von Kristine Tornquist in ein Libretto gegossenen, mystisch verbrämten Leben des Habsburgers Rudolf II zur Handlung.
Er, der Kaiser, schläft schlecht. Albträume plagen ihn in seinem hochgestellten Bett. Dieses Bett mit angeschlossener Gemäldegalerie und Nachtkastl-Kuckucksuhr ist zu Beginn ein Blickfang in dieser mit sparsamen Mitteln gefällig gestalteten Bühne (Jakob Scheid) inmitten der überdimensionalen ehemaligen Auslieferungshalle. Dass man sich darin nicht völlig verliert, dafür sorgen Scheid und seine Kollegen Markus Kuscher (Kostüm, Renaissance aus Altstoffen) und Edgar Aichinger (Licht, sehr stimmungsvoll) mit einem gut abgestimmten Eingriff und umsichtiger Raumstruktur.
Also der Kaiser - rund um die Religionswirren der Reformation - sieht allerorten Höllengestalten, verwechselt seine engsten Höflinge mit Tagedieben und Gespenstern und ist in Summe so katholisch, wie sich das für einen bigotten Habsburger eben gehört. Auch wenn sein majestätisches Gemächt gemäldegleich frontal und um Aufmerksamkeit heischend drapiert ist. Im kaiserlichen Wahn rund um den wahren Glauben und den Abgrund der Hölle beleidigt er sogar den marokkanischen Gesandten, Parallelen zum heutigen Umgang mit der islamischen Welt drängen sich auf. Nur die in einer schönen szenischen Geste aufeinander zurollenden Herrscherteppiche samt darauf rollenden Monumentalgewändern lassen ein engeres Aufeinanderprallen der islamisch-grünen und kaiserlich-roten Welt nicht zu.
Dies alles in der Form einer frisch komponierten Oper. Das Orchester, mit Ausnahme des üppigen Schlagwerks, sparsam instrumentiert, aber dennoch mit feinen Akzenten, sehr emotional und stets die Geschichte unterfütternd, im Dirigat des zweifellos dicht und spannend arbeitenden Komponisten Gernot Schedlberger. Die Sänger/innen durchwegs genau in der Musik und auch szenisch immer wieder witzig anzusehen, zumal Männlein und Weiblein rollenunabhängig bunt durcheinander besetzt wurden. Die Schattenchoreographien in den ausladenden Zwischenspielen, wiegende Trippelschritte, meist vom Licht in blutrot getaucht, verstärken den mystischen, stellenweise gespenstischen Eindruck, den die engste Sphäre des habsburgischen Herrschens bietet. Am Schluss pflanzt sich die im Bass gesetzte Mutter Twaroch auf ein surreales Rübenmoped und die rote Gemüsefarbe lässt uns einmal mehr erschaudern und an den rechten Dingen zweifeln. Witz ist dabei, Mystik, schöne Musik und jede Menge Albträume. Ein feiner Abend.

Andere Kritiken