Hinter den Kulissen

Projektleitung sirene


1. Salle de bal / Palais Clam-Gallas
2001 bis 2002. Die Salle de Bal (französisch für Ballsaal) war der prachtvolle Fest- und Veranstaltungssaal des Institut français de Vienne (Französisches Kulturinstitut). Sie befand sich im historischen Palais Clam-Gallas in der Währinger Straße 30–32 im 9. Bezirk (Alsergrund). In den 1980er- und 1990er-Jahren fungierte der Saal nicht nur als französisches Kulturzentrum, sondern war einer der wichtigsten Spielorte für die freie, avantgardistische Theater- und Tanzszene Wiens. Da es damals an Probebühnen und Spielstätten für freie Gruppen mangelte, öffnete das Institut den Saal regelmäßig für externe Ensembles wie netzzeit (Delirium) das Tanztheater Homunculus oder die Schaubude. Es fanden dort auch zeitgenössische Kunstausstellungen statt. Das sirene Operntheater probte dort 2001 und 2002 für die Oper Der Kommissar.

2. Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik
2009 bis 2016. Die ehemalige Expedithalle der Ankerbrotfabrik in Wien-Favoriten wurde umfassend revitalisiert und dient heute als multifunktionale Eventlocation. 1912 wurde sie als „Brotbahnhof“ der Traditionsbäckerei Ankerbrot errichtet. Die filigrane Deckenkonstruktion der Firma Ignaz Gridl & Söhne überspannt über 40 Meter komplett säulenfrei. Sie galt damals als eine der größten stützenfreien Hallen Europas. Nach der Stilllegung als Logistikhalle entwickelte sich das Gebäude ab 2009 zu einem kreativen Offspace. Das sirene Operntheater und in dessen Folge die Wiener Festwochen, die Neue Oper Wien und Designmärkte wie „Edelstoff“ nutzten den Raum temporär. sirene bespielte die damals noch raue, unsanierte Industriehalle als Pionier mit zwei extrem ambitionierten Uraufführungsserien: Im Sommer 2009 (22. Mai bis 18. Juli) wurde in der Halle ein regelrechter Opernmarathon (NACHTS!) in Szene gesetzt, innerhalb weniger Wochen wurden neun eigenständige Kammeropern von zeitgenössischen Wiener Komponisten uraufgeführt. Im Sommer 2011 folgte eine zweite Opernreihe (alf laila wa-laila). Im Jahr 2015 kehrte das Ensemble für ein drittes Großprojekt in den 10. Bezirk zurück (Gilgamesch). Von 2009 bis 2016 nutzte sirene dank Walter Asmus die Expedithalle auch als Materiallager und Fundus. Das sirene Operntheater war die erste Institution, die das architektonische Potenzial der Expedithalle für zeitgenössische Kunst erprobte, lange bevor die Halle 2016 kommerziell saniert und dann zur Eventlocation wurde.

3. Fundus Goldeggasse 30
2009 bis 2013. Nach dem ersten Opernfestival in der Expedithalle der ehemaligen Ankerbrotfabrik (NACHTS!) konnte das sirene Operntheater seine technische Ausrüstung in der nicht sanierten, ungeheizten Expedithalle lagern, nicht jedoch die empfindlicheren Requisiten und Kostüme, die sich nach der Uraufführung von neun Opern am Stück mit Hülle und in Fülle angesammelt hatten. So mussten wir erstmalig einen Kostümfundus einrichten, der im Erdgeschoss eines privaten Hauses in der Goldeggasse im 4. Bezirk gefunden wurde. Vor allem Markus Kuscher übernahm dabei Einrichtung und Verwaltung der schönen, vorgründerzeitlichen Räume mit Tonnengewölbe. Die Räume dienten auch als Kostümschneiderei für das folgende Festival (alf laila wa-laila), wiederum in der Expedithalle der Ankerbrotfabrik. Nach einem ersten Flohmarkt musste sirene diese Räume 2013 wieder verlassen.

4. Pavillon 35 / Otto Wagner-Spital
2013 bis 2014. Der Pavillon 35 auf dem Gelände des ehemaligen Otto-Wagner-Spitals nimmt im Vergleich zu den historischen Jugendstil-Bauten eine Sonderrolle ein, da es sich um eine nicht-historische Nachkriegs-Verbauung handelt. Ursprünglich diente das Gebäude als psychiatrische Abteilung der Heilanstalt. Im Pavillon waren die sogenannten Steinwerkstätten untergebracht. Hier stellten Patientinnen und Patienten im Rahmen der Ergotherapie Kunstgegenstände und Handwerke her, die bei Festen wie der 100-Jahr-Feier des Krankenhauses auch verkauft wurden. Nach der schrittweisen Absiedelung von Krankenhausabteilungen stand der Pavillon über längere Zeit hinweg leer. Vor und während dieser Transformationsphase wurde der Pavillon immer wieder für kulturelle Zwecke geöffnet. So fanden darin Proben des sirene Operntheaters statt, das auch seinen Fundus und sein Requisitenlager dort installieren konnte, parallel dazu gab es Ausstellungen sowie universitäre Lehr- und Kunstprojekte (z. B. das Projekt Verschwinden).

5. Ehemaliges Post- und Telegrafenamt / Otto Wagner-Spital
2014. Auf dem Areal der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof im 14. Bezirk gab es ein kleines, infrastrukturelles Post-Gebäude nahe dem Haupttor. Das Areal wurde von Otto Wagner als völlig autarke Anlage konzipiert. Das Post-Gebäude diente neben eigener Feuerwehr, Gärtnerei und Bäckerei der logistischen Versorgung der riesigen Anstalt, dort wurde der gesamte Postverkehr für Patienten und medizinisches Personal abgewickelt. Es handelte sich um ein sehr kleines Gebäude mit einer Fläche von unter 200 m². 2013 ermöglichte Verwaltungsdirektor Rainer Miedler dem sirene Operntheater die Nutzung der Post als Kostüm- und Requisitenfundus. Die Nutzung des Raumes stiess aber leider bald an ihre Grenzen.

6. Jagdschloss / Ehemalige Krankenpflegeschule
März 2015 bis Februar 2022. Das ⁠sirene Operntheater übersiedelte vom Steinhof und nutzte in Folge das Areal in der Jagdschlossgasse 21-25 (die ehemalige Krankenpflegeschule Lainz) über einen Zeitraum von rund zehn Jahren, von 2012 bis 2022. Nachdem die Krankenpflegeschule im Jahr 2012 geschlossen worden war, stellte die damalige Eigentümerin (Bank Austria Immobilien / BAI, Projektleitung Alexander Straschil und Robert Hahn) das imposante historische Gebäude sirene zur Verfügung. Das Ensemble nutzte die Räume intensiv für Proben (unter anderem für die prämierte Oper Chodorkowski) und betrieb dort auch seine Werkstätten (☛ Video). Nach dem Verkauf der Immobiliengesellschaft an die SIGNA Holding musste die Truppe das Haus vorübergehend verlassen. Da das leerstehende Gebäude im Anschluss jedoch besetzt und beschädigt wurde, holten die Eigentümer das Ensemble als „Schutz“ für das Areal zurück. In dieser zweiten Phase öffnete Leiterin Kristine Tornquist das Gebäude zusätzlich als „Atelierhaus Jagdschlossgasse“ für zahlreiche weitere freie Künstlerinnen. Das Areal wurde schließlich an private Investoren weiterverkauft. Mit der Übernahme des Gebäudes durch die TRIVALUE Management GesmbH im Jahr 2022 endete die Zwischennutzung des Ensembles vor Ort endgültig.

7. Ehemaliges k.u.k. Post- und Telegrafenamt Mondscheingasse
September bis November 2017. Im ehemaligen k.u.k. Post- und Telegrafenamt in der Mondscheingasse Ecke Zollergasse im 7. Bezirk inszenierte das sirene Operntheater im Herbst 2017 ein spektakuläres Stationentheaterprojekt namens Die Reise. Im Rahmen des Festivals Wien Modern nutzte das Ensemble das damals leerstehende, vom Verfall bedrohte historische Gebäude, um ein unkonventionelles und immersives Kunsterlebnis zu schaffen. Das Publikum wurde in kleinen Gruppen durch das verlassene Gebäude geführt. Die Zuschauer wandelten durch insgesamt 11 Räume im ersten Stock und 4 Räume im vierten Stock des alten Postamts. In den verschiedenen Räumen begegnete man Musikern, Sängern und Schauspielern. Aufgeführt wurden „Theaterminiaturen“ und Kurzopern im Stil des absurden Theaters der 1950er-Jahre. Dreh- und Angelpunkt war die skurrile, innere Reise eines unschlüssigen „armen Mannes“. Regisseurin Helga Utz inszenierte das Stück in Kooperation mit Studierenden der Universität für Angewandte Kunst Wien. Die Bespielung des Postgebäudes wurde durch Robert Hahn von der BAI ermöglicht.

8. Materialmagazin Krankenhaus Hietzing / Geriatriezentrum am Wienerwald
2018 bis 2020. Die Krankenhausdirektion Hietzing unter Verwaltungsdirektor Wilhelm Strmsek stellte dem sirene Operntheater zwischenzeitlich das leerstehende Materiallager des Geriatriezentrums am Wienerwald (Objekt 20) zur Verfügung. sirene übersiedelte von der benachbarten ehemaligen Krankenpflegeschule in der Jagdschlossgasse dorthin und für Jagdschloss II wieder zurück. Es wurde ein gut sortiertes Materiallager eingerichtet. Ausserdem wurden Filmaufnahmen gemacht, die Kollegen von der Netzzeit und der Oper Unterwegs konnten ebenfalls hier proben.

9. Villa Schapira am Türkenschanzpark
November 2018 bis Mai 2020. Das ⁠sirene Operntheater nutzte die denkmalgeschützte Villa Schapira (Max-Emanuel-Straße 17, 1180 Wien) von November 2018 bis Mai 2019. Nach dem Auszug eines Instituts der Universität für Bodenkultur stand das Gebäude am Türkenschanzpark leer. Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) überließ das Objekt in diesem Zeitraum dem Ensemble. Die weitläufigen Räume der Villa sollten für Proben, Bühnenbau- und Schneiderarbeiten im Rahmen der damaligen Produktionen verwendet werden, ausserdem als Lagerräume. Während dieser Zeit fand in den Räumlichkeiten der Villa unter anderem das Musiktheaterprojekt „Das Sanatorium zur Sanduhr“ (nach Bruno Schulz, unter der Regie von Helga Utz in Kooperation mit der Oper Unterwegs) statt.

10. Villa Sirene Hasenauer Strasse
Anfang 2021 bis Juni 2026. Das ⁠sirene Operntheater nutzte das Gebäude in der Hasenauer Straße 38 im 1190 Wiener Gemeindebezirk (Döbling) von Anfang 2021 bis Juni 2026. Bei dem Gebäude handelte es sich um eine grosszügige, historische Stadtvilla nahe dem Türkenschanzpark. Ermöglicht wurde die Nutzung durch eine Kooperation mit der CEBA Bau-Revitalisierung und der HAST Entwicklungsgesellschaft mbH Wien, welche das Objekt dem Theaterverein im Rahmen einer temporären Zwischennutzung mietfrei zur Verfügung stellten. Die „Villa Sirene“ entwickelte sich in diesen fünfeinhalb Jahren zu einem belebten, kreativen Knotenpunkt der freien Musiktheaterszene. Das Gebäude diente dem Kernteam um Kristine Tornquist und Jury Everhartz als festes Arbeitsquartier, Kostüm- und Kulissenlager. Ähnlich wie bei früheren Projekten öffnete das sirene Operntheater auch dieses Haus für andere Kulturschaffende. Zahlreiche befreundete Künstlerinnen, Musiker und Performer erhielten hier Arbeits- und Atelierräume. Es wurde gemeinsam gearbeitet, gelebt und gefeiert. Nach fünf Jahren endete diese Phase planmäßig. Am 20. und 21. Juni 2026 verabschiedete sich das Ensemble mit einem grossen, zweitägigen Theater-Flohmarkt und einem bis tief in die Nacht gehenden Abschiedsfest von der Villa.

11. Palais Festetics Berggasse
Seit Juli 2026. Das ⁠Palais Festetics ist ein denkmalgeschütztes Prachtgebäude im 9. Bezirk (Alsergrund) in der Berggasse 16. Es wurde 1858 vom Architektenduo Johann Julius Romano und August Schwendenwein erbaut. Im Laufe der Zeit hatte das Gebäude sehr unterschiedliche Funktionen. Ab 1898 war es der erste Standort der k. u. k. Exportakademie (der Vorläuferin der heutigen Wirtschaftsuniversität Wien), später diente es der Wirtschaftskammer Wien als Bürostandort. Nach dem Verkauf durch die Wirtschaftskammer im Jahr 2019 (unter anderem an die Signa Holding) erlebte das Haus mehrere Eigentümerwechsel. Bevor das sirene Operntheater einzog, gab es bereits eine kulturelle Zwischennutzung: Bis Ende 2025 zeigte die Galerie Node Contemporary dort zeitgenössische Kunstausstellungen. Aktuell steht das Palais im Eigentum der Blackstone Five GmbH. Das sirene Operntheater hat ein Kostüm- und Requisitenlager eingerichtet. Getreu seiner Philosophie teilt sirene den gewonnenen Platz wieder mit der Wiener Kulturszene. Räume werden als temporäre Arbeitsateliers an freie Künstlerinnen, Musiker und Kulturschaffende vergeben, um dem akuten Raummangel in Wien entgegenzuwirken.

 

Netzwerk Freie Musiktheater

 

1. Alte Wäscherei am Steinhof
Oktober 2012 bis Februar 2023. Die Alte Wäscherei am Steinhof (auf dem Areal des ehemaligen Otto-Wagner-Spitals in Wien-Penzing) wurde als Probebühne, Probenzentrum, Techniklager und Requisitenfundus genutzt. Nach einer Initiative der freien Musiktheaterszene (maßgeblich getragen vom ⁠sirene Operntheater) stellte die Spitalsleitung unter Verwaltungsdirektor Rainer Miedler (☛ Gruppenbild mit Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou) die leerstehenden Hallen der alten Wäscherei prekaristisch und unentgeltlich als Produktionshaus zur Verfügung. Über zehn Jahre lang organisierten sich rund 30 freie Wiener Musiktheater- und Kunstgruppen selbstständig im Gebäude . In dieser Zeit entstanden dort rund 80 Produktionen, darunter auch Filmproduktionen. Da das Otto-Wagner-Areal städtebaulich umgestaltet und die Wäscherei für Wohnbauten der Gesiba umgewandelt wird, mussten die Künstler die Räumlichkeiten verlassen (☛ Video) (☛ Bericht Kronenzeitung). Die ⁠Stadt Wien (Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler) stellte den Gruppen als Ersatz neue Proberäume im ehemaligen Gemeindegasthaus Weiss in Aspern bereit.

2. Ehemaliges Gemeindegasthaus Aspern
Seit Februar 2023. Das Gebäude am Siegesplatz 7 in Aspern dient dem sirene Operntheater und dem Wiener Netzwerk der freien Musiktheatergruppen als das zentrale, gemeinschaftliche Proben- und Logistikzentrum in Wien. Nachdem die Künstlergruppen ihre langjährige Wirkungsstätte in der ⁠„Alten Wäscherei“ am Steinhof räumen mussten, hat die Stadt Wien (Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, ☛ hier am Klavier bei der Einweihung mit Robert Schumann) die rund 750 Quadratmeter großen Räume der ehemaligen städtischen Bücherei saniert und der Szene mietfrei überlassen (☛ Video) (☛ ORF) (☛ Hirschstetten). Vertragspartner und Verwalter vor Ort ist der Verein Freie Musiktheater Wien (Obmann zur Zeit Thomas Desi, Vizeobmann Jury Everhartz). Da die beteiligten Ensembles keine eigenen, fixen Theaterbühnen besitzen, nutzen sie das Haus am Siegesplatz gemeinschaftlich für die Vorbereitungsphase ihrer Produktionen. Herzstück ist der umfunktionierte ehemalige Ballsaal des Hauses, der als Hauptprobebühne dient. Es gibt insgesamt fünf kleinere Studios für musikalische Einzelproben, Ensemble-Leseproben oder Besprechungen sowie Flächen, wo Bühnentechnik und Requisiten gelagert werden, ausserdem soziale Freiflächen wie eine auf Initiative von Kristine Tornquist, von Cornelius Burkert und Eva Eisenbacher eingerichtete Kantinenküche.