Karl Erich Löbl hausgemacht

In diesem Moment erhebt sich Karl Löbl, um aus seiner Loge die Aufführung der verdienten Kritik zuzuführen. Er spricht in sein überdimensioniertes Mikrophon, das ihn als Reporter der Rundfunkanstalt ORS ausweist. Neben ihm steht eine Box, die seine gewichtige Stimme verstärkt:
Vier Autoren, drei Frauen und ein Mann, haben sich hier, in der ungewohnten, aber durchaus bekannten und immer wieder angenehmen Atmosphäre eines Kaffeehauses dargestellt, vorgestellt... Vier Schauspieler lesen hier sechs Einakter, vier Musiker interpretieren und inszenieren eine Hymmne...
Die Stücke handeln von Revolution, Sport, Beziehungen und Sport, Farben, Revolution und wieder Sport... Das sind anscheinend die Themen, um die junge Autoren von heute nicht herumkommen, die sie bewegen, bewegen, aber nur zum Schein fesseln...
Aber der Reihe nach!
Als Bühnenbild sehen wir hier ein altes Sofa, altrosa, wie wir sehen vor dem banalen Hintergrund einer sagen wir primitiven Darstellung von Wien, wie es sein könnte oder nicht sein sollte, vielleicht jedoch sein möchte... Fast hat man den Eindruck eines Wohnzimmers.
Die Idee ist keineswegs neu, sie kann aber immer wieder spannend sein. In diesem Fall illustriert sie aber nur die merkwürdige, oft hohle, dann wieder unheilvoll absurde Sprache der vier Autoren. Man wird den Eindruck nicht los, als wollten die Stückeschreiber mehr sagen, als sie dazu in der Lage waren, als wollten sie zuviel sagen, dann wieder zu wenig. Doch glücklicherweise verleiht die im großen und ganzen gute Ensembleleistung der jungen Schauspieler einzelnen Textpassagen eine inhaltsschwangere Bedeutung, die kaum gerechtfertigt zu sein scheint...
Erwähnt sei hier Burgtheaterstar Ute Springer, der bekannte Filmschauspieler Dominik Castell, Jungdoyen des Volkstheaters Alexander Lutz und der allseits bekannte Burg- und Filmschauspieler Haymon Maria Buttinger, der als hervorragender Conferencier wohl das Bemühen der Regie nach einem abgerundeten Ganzen andeuten soll, wenngleich...
Im Großen und Ganzen ist dieser Theaterabend ein merkwürdiger Theaterabend in des Wortes wahrhaftigster Bedeutung.Es gibt Textformulierungen, die aufhorchen lassen, Wortneuschöpfungen, die Anlaß zur Hoffnung geben, es gibt szenische Lösungen, die begeistern. In der Tat wächst hier eine Autorengeneration heran, die zwar Pathos vermeiden will, Angst hat vor dem großen Gefühl, ihm aber dann dennoch auf den Leim geht.
Der Sinn dieses ungewöhnlichen Unternehmens ist mir nicht bekannt, da sind viele Fragen, die ich nicht beantworten kann. Ich persönlich glaube, ein entbehrlicher Theaterabend...
Aber!, so höre ich, ein Premierenerfolg, ein Angriff auf die konventionelle Theaterlandschaft, in , fast möchte man sagen, biedermeierlicher Indisposition.
Hervorheben mchte ich noch die Cafehausbesitzer Ankica und Jerke, die den Abend durch die Bereitstellung ihres Cafe Anzengruber erst möglich gmacht haben und die es trotz ihrer nichtösterreichischen Herkunft geschafft haben, das Anzengruber zu dem zu machen, was es einmal gewesen zu sein scheinen wird...
Trotz aller Bedenken wird es volle Cafehäuser geben, Cafehäuser, die tadelloses Essen bieten, Cafehäuser als ganz großartige Bereicherung des Wiener Kulturlebens, Cafehäuser wie das von Ankica und Jere!
Gegeben von Erich Joham, Text von Kristine Tornquist. Theater am Sofa 2

Meine Damen und Herren!
Hier im Elite-Autodrom im Wiener Volksprater hat sich heute ein verwirrender, wirrer, fast möchte man sagen: irrer Abend geboten. Die Vielzahl, die Vielfalt läßt sich kaum auf einen Nenner bringen, zu viel hat das Auge gesehen, zuviel das Ohr gehört. Mag sein, daß das die Methode, der Trick, ja der Tick geradezu, der beiden Regisseure sein möchte, soll, kann, will, den Verstand zu überfordern und die Vernunft lahmzulegen und damit ein paar leichte Pluspunkte zu ergattern, aber ich meine, so leicht möchte man sich doch nicht überlisten lassen. Aber der Reihe nach. Die allseits bekannten Autoren Artmann, Dusl, Fian, Klocker, Tornquist und Tusek gaben sich alle Mühe, sich voneinander zu unterscheiden und das ganze Spektrum der menschlichen Seele vorzuführen, ein etwas hochgegriffenes Ziel, möchte man meinen. Es waren Kätzchen zu sehen, Kaiser, Sekretäre, Autofahrer, Schriftsteller, wir haben Drohungen gehört, Morde und infame literarische Seitenhiebe erlebt, es wurde Englisch gesprochen, deutsch, österreichisch und wieder deutsch, doch dazwischen waren in Ansätzen trotzdem immer wieder spannende, überraschende und in des Wortes wahrhaftigster Bedeutung merkwürdige Momente möglich. Unbestritten ist jedoch die Leistung des Ensembles. Hervorgehoben sei dabei die flexible Ute Springer, die energische Aneke Sarnau, der Großmeister der Charaktere, Lutz Blochberger, die überraschende Zärtlichkeit des Haymon Maria Buttinger, des sensiblen Liebhabers Dominik Castell, sowie die überzeugenden Rollenwechsel von Dirk Nocker vom Burgtheater. Etwas befremdet hat mich der Einfall der Regie, mit den Pompefunebrern zu kooperieren und den Begräbnischor auszuleihen. Diesen Chor möchten wir doch lieber in vielen Jahren erst von unten hören... Nachdem es nun schon die dritte Produktion des Theater am Sofa, wie sich diese eigenartige, eigenwillige, geradezu seltsame Truppe nennt, ist, spürt man hinter all dem scheinbar Improvisierten doch bereits einen gewissen Leistungsdruck, einen Erfolgszwang, der durchaus auch seine positiven Auswirkungen auf die akustische Qualität hat. Während das Publikum, ich darf daran erinnern, bei der letzten Produktion die Texte noch erraten mußte und die Ratlosigkeit nur hinter frenetischem Applaus verbergen konnte, wurde diesmal schonungslos zugehört, immer wieder überrascht mich die Aufmerksamkeit der Menschen, die zuhören wollen, zuhören können, weil sie zuhören müssen...
...woraus sich auch der Hunger erklären läßt, der die bis an ihre Grenzen getriebenen Schauspieler ans Buffet des Wilden Mannes treibt. Meine Damen und Herren, lassen Sie uns ihnen folgen, es ihnen gleichtun oder vielleicht sogar nachmachen!
Gegeben von Erich Joham, Text von Kristine Tornquist. Theater am Sofa 3

Meine Damen und Herren!
Ich melde mich für diesen besonderen, ja sonderbaren Anlaß aus dem improvisierten Jugendstiltheater im 8. Bezirk, einer durchaus attraktiven, wenn nicht sogar reizvollen Kulisse für einen befremdlichen, fremdartigen, einen in der wahrhaftesten Bedeutung des Wortes merkwürdigen, ja denkwürdigen, wenn auch denkbar ungewöhnlichen Abend.Dieser Abend will sich mit den Geheimnissen der Zivilisation beschäftigt haben, doch, meine Damen und Herren! Ein etwas hoch gegriffenes Ziel, möchte man meinen, denn es bleibt ein Rätsel, welcher Zusammenhang suggeriert werden sollte, wollte, könnte oder soll zwischen etwa der kühlen Frau Susanne Matsché, dann dem unübertrefflichen Gert Jonke, dem unheilvoll absurden Josef Kleindienst, zwischen der bekannten Fian´schen Bissigkeit der noch bekannteren Franzobel´schen Flüssigkeit, der für dieses Mal an den alten Meister erinnert, ich darf an den Theatermacher erinnern, und einer offenbar hitzigen Vesna Tusek - mir übrigens völlig unbekannt - ich frage mich: was will man uns damit sagen? Soll eine Verwirrung heraufbeschworen werden? Soll die Kombination, Konstellation, soll die Konfusion uns als Mahnung dienen? wenn ja, wovor? Oder will man uns eher zu etwas auffordern? Wenn ja, wozu? Aber der Reihe nach...
Ich weiß es nicht. Der Sinn dieses ungewöhnlichen Unternehmens ist mir nicht bekannt. Die Regie gibt uns keine Antworten.Doch glücklicherweise gelingt es dem großartigen Ensemble, einzelnen Textpassagen eine Bedeutung zu verleihen, die kaum berechtigt scheint. Erwähnt sei hier der trockene Witz von Szeneliebling Edwin Hirschmann, hervorragend, wenn auch manchmal fragwürdig besetzt: Günter Rupp, souverän: der beliebte Burgtheater-Star Stefan Wieland, berührend der Newcomer Donald Padel, und nicht zuletzt die charmante Italienerin Giorgia Cavini, ebenfalls bekannt aus dem Burgtheater. Doch mit der Inszenierung des Publikums hat die Regisseurin - in diesem Fall ist man doch versucht zu sagen: Regisseuse - ein genaues Bild der Zivilisation gezeichnet: Nicht alle bekommen ein Stück vom Kuchen: es gab Privilegierte, die etwas sehen und hören konnten. Und dann wieder davon Ausgeschlossene, die weder das eine noch das andere konnten, die gnadenlos ausgegrenzt wurden und keinen Blick die Bühne, sondern nur auf die Rücken der besseren Plätze hatten! Das, meine Damen und Herren, ein ambitionierter, vermutlich politisch motivierter, wenngleich etwas eigenwilliger, wenn nicht sogar eigenartiger Einfall der Regie. Wenn damit auf die aktuelle skandalöse Situation in Österreich angespielt werden soll, so möchte ich doch dazu raten, der Politik mit gutem Beispiel voranzugehen und wenigstens im Theater etwas gerechter zu agieren. Immer wieder aber - und das ist der erstaunliche Reiz dieses Abends - überrascht mich die Geduld dieses inszenierten Publikums, das trotz EM-Finale ins Theater kommt das sitzen bleibt, wenn es sitzen soll. Das aufsteht, wenn es aufstehen soll. Und klatscht, wenn es klatschen soll.
Gegeben von Erich Joham, Text von Kristine Tornquist. Theater am Sofa 7