7 Operellen 1 - Millimeterkrisen und Miniaturkatastrophen

7 Autoren und 7 Komponisten schreiben im Auftrag von sirene 7 Operellen (Kurzopern) von 15 Minuten Dauer.

Walter Titz / Peter Planyavsky : HerzlosZeitlos (Libretto)
Ratschiller & Tagwerker / Akos Banlaky : Schock (Libretto)
Hermes Phettberg / Gilbert Handler : Schutt (Libretto)
Friederike Mayröcker / Wolfram Wagner : Stretta (Libretto)
Radek Knapp / Christof Dienz : Die vertauschten Köpfe (Libretto)
Wolfgang Bauer / Jury Everhartz : Das gestohlene Herz (Libretto) (Mediographie Wolfgang Bauer)
Kristine Tornquist / Kurt Schwertsik : Schlaf der Gerechten (Libretto) (Boosey & Hawkes)

Spielregeln für die Librettisten:
Zu schreiben ist ein kleines Dramulett, für das die handelnden 5 Figuren vorgegeben sind:
Johann > Johanna > der Zwerg/die Zwergin > der Dieb/die Diebin > Voltaire

Spielregeln für die Komponisten:
4 Sänger - Sopran, Alt, Tenor, Bass - und eine Schauspielerin können in jeder beliebigen Weise mit den Figuren kombiniert werden. Orchesterbesetzung (solistisch): Violine - Kontrabass - Querflöte - Klarinette - Saxophon - Posaune - Trompete - Akkordeon - Schlagwerk.

Die Versuchsanordnung: Ein kleiner Planet, bewohnt von nur 5 Personen - Johanna und Johann, dem Zwerg, dem Dieb und Voltaire. Ist die Population dieser Miniaturwelt verwandt, befreundet, verfeindet? Welche Beziehungen ergeben sich? Was geschieht? 7 Autoren gaben Antworten, die äusserst unterschiedlich ausgefallen sind.
In Walter Titz´s minimalistisch gereimter Landschaft „HerzLosZeitLos“ findet sich Voltaires verlorenes Herz zwischen roten Rosen. Den Kampf um Herzen und Liebe, der sich daraus entspinnt, hat der Wiener Domorganist Peter Planyavsky in ein subtiles Ballett verwandelt.
Die Jüngsten, das Autoren-Duo Hosea Ratschiller und Lukas Tagwerker, denken sich einen Krieg, in dem keiner eine Chance hat, schon gar nicht der, der optimistisch in diese Welt geboren wird. Vom ungarisch-österreichischen Komponist Akos Banlaky ist dieses Szenario ins Absurde, fast Kabaretthafte gesteigert -  „Schock - ein Hundeleben“.
Hermes Phettberg bleibt mit „Schutt“ in seiner Tradition als pessimistischer Prediger. Er legt Voltaire freimütig biblische Worte in den Mund und lässt unter dem Gleichnis vom anvertrauten Geld seine Figuren rettungslos verschüttet gehen. Gilbert Handler interpretiert das Klagen der phettbergschen Figuren undramatisch, er entwickelt eine ganz eigene meditative musikalische Sprache.
Friederike Mayröcker hingegen lässt Lebende und Verstorbene Frieden finden, sensibel am Text entlang vertont von Wolfram Wagner. Wie eine autobiographische Zwiesprache zwischen ihr und ihrem Lebensgefährten Ernst Jandl führt „Stretta“ das Duett aus Monologen liebevoll weiter - Liebende kann der Tod nicht scheiden, und wenn ein zwergenhafter Beagle der Bote sein muss.
Friedlich und witzig löst Kurt Schwertsik mit Kristine Tornquists „Schlaf der Gerechten“ den Generationenkonflikt - während die Eltern sich zur ewigen Ruhe betten, gehen die missratenen Kinder ihrer Wege.
Radek Knapp, ein Wiener aus Polen, erleichert kurzerhand Voltaires Schultern. „Die vertauschten Köpfe“ - vom Tiroler Komponist Christof Dienz in ein feines Gewebe aus Clustern und zirpenden Mustern eingebettet, stehen im Spannungsfeld von Poesie und sprachlicher Bosheit.
Wolfgang Bauer lässt schliesslich das zu Beginn gestohlene Herz zu seinem rechten Platz zurückfinden: in Ägypten bei Pyramiden und Sphinxen wird alles wieder gut: der in Wien lebende Berliner Komponist Jury Everhartz verdichtet Bauers Reime zu komplexen polyphonen Strukturen von barockem Witz.