Der Kulturchannel, 24. Oktober 2004, Martin Bruny

Das sirene Operntheater präsentiert: 7 Operellen


Sirene beauftragt 7 Autoren und 7 Komponisten für 7 Operellen von 15 Minuten Dauer. Das Tiroler Landestheater und das Wiener sirene Operntheater stellen in einer Koproduktion die Uraufführung sieben österreichischer Opernminiaturen (”Operellen“) vor. Nach der Uraufführungspremiere am 31. Oktober in den Kammerspielen des Tiroler Landestheater finden im Anschluss 5 Vorstellungen statt; auf die Wiener Premiere am 17. November 2004 im Wiener Jugendstiltheater folgen zwei weitere Vorstellungen.
Die Versuchsanordnung: Ein kleiner Planet, bewohnt von nur 5 Personen - Johanna und Johann, Zwerg, Dieb und Voltaire. Was lässt sich anstellen mit der Population dieser Miniaturwelt. Welche Miniaturkatastrophen und Millimeterkrisen spielen sich ab? Was geschieht?
In Walter Titz’s minimalistisch gereimter Landschaft “HerzLosZeitLos” findet sich Voltaires verlorenes Herz zwischen roten Rosen. Den Kampf um Herzen und Liebe, der sich daraus entspinnt, hat der Wiener Domorganist Peter Planyavsky in ein subtiles Ballett verwandelt.
Die Jüngsten, das Autoren-Duo Hosea Ratschiller und Lukas Tagwerker, denken sich einen Krieg, in dem keiner eine Chance hat, schon gar nicht der, der optimistisch in diese Welt geboren wird. Vom ungarisch-österreichischen Komponist Akos Banlaky ist dieses Szenario ins Absurde, fast Kabaretthafte gesteigert - “Schock - ein Hundeleben”.
Hermes Phettberg bleibt mit “Schutt” in seiner Tradition als pessimistischer Prediger. Er legt Voltaire freimütig biblische Worte in den Mund und lässt unter dem Gleichnis vom anvertrauten Geld seine Figuren rettungslos verschüttet gehen. Gilbert Handler interpretiert das Klagen der phettbergschen Figuren undramatisch, er entwickelt eine ganz eigene meditative musikalische Sprache.
Friederike Mayröcker hingegen lässt Lebende und Verstorbene Frieden finden, sensibel am Text entlang vertont von Wolfram Wagner. Wie eine autobiographische Zwiesprache zwischen ihr und ihrem Lebensgefährten Ernst Jandl führt “Stretta” das Duett aus Monologen liebevoll weiter - Liebende kann der Tod nicht scheiden, und wenn ein zwergenhafter Beagle der Bote sein muss.
Friedlich und witzig löst Kurt Schwertsik mit Kristine Tornquists “Schlaf der Gerechten” den Generationenkonflikt - während die Eltern sich zur ewigen Ruhe betten, gehen die missratenen Kinder ihrer Wege.
Radek Knapp, ein Wiener aus Polen, erleichert kurzerhand Voltaires Schultern. “Die vertauschten Köpfe” - vom Tiroler Komponist Christof Dienz in ein feines Gewebe aus Clustern und zirpenden Mustern eingebettet, stehen im Spannungsfeld von Poesie und sprachlicher Bosheit.
Wolfgang Bauer lässt schliesslich das zu Beginn gestohlene Herz zu seinem rechten Platz zurückfinden: In Ägypten bei Pyramiden und Sphinxen wird alles wieder gut. Der in Wien lebende Berliner Komponist Jury Everhartz verdichtet Bauers Reime zu komplexen polyphonen Strukturen von barockem Witz.

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