k2 - Kultur in Centrope - 18. August 2011, Theresa Steininger

Opern-Uraufführungen aus 1001 Nacht

Mit elf neuen, orientalisch beeinflussten Opern bespielt das Sirene-Operntheater ab 25. August die Ankerbrotfabrik.
War vor zwei Jahren die Nacht an sich das Thema der Uraufführungsserie des Ensembles rund um Produzenten Jury Everhartz, widmet man sich heuer gleich 1001 Nächten. Rund um die berühmte Erzählsammlung und orientalische Einflüsse wurden elf Kammeropern geschrieben, darunter von Kurt Schwertsik, Lukas Haselböck und Everhartz selbst.
Everhartz hat gemeinsam mit Kristine Tornquist, die auch die Libretti schrieb und Regie führt, elf Geschichten aus der legendären Erzählsammlung, die im 18. Jahrhundert erstmals aus dem arabischen Raum nach Europa gelangte, ausgewählt und Komponisten um Vertonungen ersucht. Bis 9. September werden nun die Ergebnisse präsentiert, wobei es Everhartz "um einen aktuellen Umgang mit dem Fremden und der Ferne geht", wie er im Gespräch mit k2 sagt. "Wir reden alle viel über den Islam, aber wenig darüber, wie sehr diese Kultur unsere beeinflusst hat. Wir wollen ein positives, helles Bild des Arabischen, Orientalischen präsentieren."
Everhartz, dem es in seinen Kompositionen stets darum geht, die Grenzen der Strapazierbarkeit der Stimme auszuloten, hat selbst "Der Bucklige" vertont, "eine lustige Handlung, in der es um Typen geht, die ihren ganz bestimmten Platz in der Geschichte einnehmen". Die Musik sei als "neoklassisch und wie eine Comic-Vertonung" zu bezeichnen.
In einer Opernwelt, in der Uraufführungen Raritäten darstellen, ist eine solche Serie an Neuschöpfungen eine Seltenheit. Everhartz jedoch meint, er könne sich "gar keine Alternative vorstellen - das ist doch, was man Kultur nennt. Auch wenn es unter den verstorbenen Komponisten natürlich fabelhafte gibt, wollen wir keine Fertigteile, es ist selbstverständlich für uns, dass wir selbst schreiben."
Den Opernaufführungen stellt man jeden Tag eine Rede voran, so spricht Burghart Schmidt über den metropolischen Hintergrund der Märchen aus 1001 Nacht, Jaleh Lackner-Gohari über Sheherazad und ihre Erzählungen heute, Bert Fragner über die Verzauberung durch Erzählen und Rudolf Taschner über die 1002. Erzählung von den 1000 falschen und dem 1 wahren Märchen.
Nach den Opernaufführungen werden Musiker aus Indien, Marokko und Staaten, die mit 1001 Nacht assoziiert werden, zum Konzert gebeten.

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