Kronenzeitung - 29. August 2011, AN

Affen und ein tanzendes Kamel

Abend zwei des Festivals, das das Sirene Operntheater veranstaltet: Wieder stehen vier Musiktheaterwerke unterschiedlichsten Formats auf dem Programm, die unter dem Motto "Hoffnung" zusammengefasst wurden. Interessant sind dabei Zugangsweisen bei den einzelnen Geschichten; und dem Orchester unter Dirigent François-Pierre Descamps gebührt Lob, werden doch die Personalstile der Komponisten präzise umgesetzt.
Im Zentrum stehen zwei Meister der österreichischen Musik: Kurt Schwertsiks Vertonung von "Chalifa und die Affen" erzählt von der Wandelbarkeit des menschlichen Glücks, zuletzt in süß leuchtenden Kantilenen. Ganz anders "Harun und Dschafar" von René Clemencic, ein Stück voller dunkler, tragischer Momente, ein Werk über die Auseinandersetzung von Macht und Freundschaft. Weiters hört man Lukas Haselböcks "Yunan und Duban" und Ákos Banlakys "Burka Baazi": Abwechslungsreichtum, die den Sängern wie Andreas Jankowitsch oder Erwin Belakowitsch Gelegenheit zum Reüssieren bieten.
Kern des Festivals sind ja elf Musiktheaterstücke, die sich drei Themen - Hoffnung, Schicksal, Glück - widmen. Obgleich die Kammeropern - sie basieren auf Geschichten aus 1001 Nacht - von unterschiedlichen Komponisten stammen, wirken sie doch stark zusammengehörig. Das hat mit der Ästhetik zu tun, in der sie präsentiert werden (Regisseurin Kristine Tornquist hat für alle Stücke das Libretto verfasst und sie inszeniert). Und so ergibt sich eine Art natürliche Dramaturgie.
Was erlebt das Publikum am Abend Nummer drei? Eine leichtfüßige Ballettmusik ("Muadschizat al Dschamal"), die ein Kamel zum Tanzen bringt (Komposition: Ákos Banlaky), dabei augenzwinkernd unterhält. Bedrohliche Klänge in Oliver Webers "Harun und Masrur" oder ein pointiertes Stationenspiel ("Der Bucklige" von Jury Everhartz), das mit einer sehr spielerischen Musik aufwarten kann. Alles wieder souverän geleitet von François-Pierre Descamps und solide besetzt.

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