Die drei Stücke

Rupert Bergmann macht sich als Sänger auf die Reise durch die Wünsche eines Künstlers. Er erinnert sich der gewaltigen Töne des Boris Godunow und der sieben Türen des Herzog Blaubart und fragt sich, warum er als Papageno noch immer nicht die Menschen zum Lachen bringen durfte.

Heute Abend Boris Godunow (2008/2011) von Karmella Tsepkolenko (Musik) und Kristine Tornquist (Libretto)
In der Garderobe bereitet sich ein Opersänger auf seinen Auftritt in „Boris Godunow“ vor. Er singt sich ein, doch die Stimme will nicht so recht sitzen, er probiert sein Kostüm, doch es will nicht so recht passen und auch die Krone des Boris ist nicht aus echtem Gold, wie jene bei seinem einstigen Debut in dieser Partie. Er ignoriert die Ansagen aus dem Lautsprecher und probiert ein weiteres Kostüm, das des Intriganten Schuiskij, aber auch dieses gefällt ihm nicht, die Schuhe sind ihm zu eng und ein Intrigant ist nicht das richtige für ihn. So bleibt nur mehr die Rolle des Narren übrig, aber schnell wird ihm klar, dass er sich weder vom Direktor noch vom Regisseur zum Narren machen lässt und so ist die Entscheidung klar: er lässt das Theater Theater sein, geht nach Hause, schiebt sich ein Hühnchen in den Ofen und genießt den schönen Abend ohne Boris. | Briefwechsel

Blaubarts (2011) von Samu Gryllus (Musik) und Zoltán András Bán (Libretto)
“Blaubarts“ ist die Geschichte einer Geburt. Der Protagonist ist eine Art philosophisches Modell eines Embryos, der durch die Kammern der Geburt geht. Aus dem Nichts formt er sich selbst, seine Sprache, seinen Körper und seine Kultur. Inhaltlich und strukturell ist das Libretto eine neue Version des Mysterienspieles „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Balázs, das durch die Vertonung von Béla Bartók weltberühmt geworden ist. In „Blaubarts“ vereinigen sich aber beide Charaktere – Judith und Blaubart – monologisch-dialogisch in einer Person. Seine Gedanken und Aktionen werden von diesen beiden „innerlichen Teilen“ beeinflusst – dem männlichen und weiblichen, dem mütterlichen und väterlichen – und sie formen eine dramaturgische Linie, die ähnlich zur originalen Geschichte ist. In einem musikalischen Prolog und zweimal sieben kurzen Abschnitten durchlebt der Protagonist den Kampf um seine Entstehung, er öffnet Tür um Tür seines neuen Wesens, bis es endlich zur Geburt kommt.

Papagenono. Eine Ausflucht (2011) von Johanna Doderer (Musik) und Franzobel (Text)
Papageno - ein echter Wiener - sitzt inmitten toter Vögel, er hat sie zu Tode gefüttert mit Zucker und Wein und ihm ist zum Heulen zu Mute. Und auch sonst ist es nach dem Ende der „Zauberflöte“schlecht für ihn gelaufen: seine Flöte ist zerbrochen, ihn hat seine Frau Papagena verlassen und er darf nicht mehr mit seinen Vögeln handeln, denn das hat die moderne Welt verboten. Doch er wäre nicht Papageno, wenn er sich nicht aus dieser misslichen Lage befreien könnte, und er erkennt, dass es ihm auch gut geht, wenn er allein und befreit durchs Leben schreitet. In drei kurzen Szenen und durchgängig im Wienerischen Dialekt erinnert „Papagenono“ an den Schikanederschen Text mit neuzeitlichen komödiantischen und kabarettistischen Elementen.

Rupert Bergmann