Der schwedische Reiter
Leo Perutz (eigentlich Leopold Perutz; 1882 Prag, Österreich-Ungarn - 1957 in Bad Ischl) war vor dem Faschismus ein sehr erfolgreicher deutschsprachiger Schriftsteller. Im bürgerlichen Beruf war er Versicherungsmathematiker. Nach dem Exil kehrte er zwar nach Österreich zurück, konnte als Jude jedoch in der Nachkriegsgesellschaft nicht mehr an seine Erfolge anschliessen.
Der schwedische Reiter ist in seiner Einzigartigkeit in seiner komplexen Form und seiner verzahnten Erzählweise typisch für Perutz. Gerade in seinen historischen Romanen wie auch Nachts unter der steinernen Brücke oder Die dritte Kugel erweist sich Perutz als Meister des Magischen Realismus, in dem er als unzuverlässiger Autor reale Fakten neu mischt. Wie immer verfolgt Perutz das wechselhafte Schicksal, dessen höherer Plan so unausweichlich wie undurchschaubar ist.
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Um 1701 treffen ein Dieb – nur als Hahnenschnapper bekannt – und der desertierte schwedische Offizier Christian von Tornefeld in einer Scheune aufeinander. Sie schliessen sich zusammen, um den Dragonern zu entkommen, die das Land nach Gesetzlosen durchkämmen.
Tornefeld schickt den Dieb zu seinem reichen Paten, um Hilfe zu holen. Doch der Pate ist tot; nur dessen Tochter Maria Agneta lebt noch auf dem verarmten Gutshof. Der Dieb verliebt sich in sie und beschliesst, Tornefelds Identität anzunehmen.
Er überzeugt den ängstlichen Tornefeld, mit ihm die Rollen zu tauschen. Um als reicher Mann zu Maria Agneta zurückzukehren, zieht der Dieb als Räuberhauptmann durch das Land, raubt Kirchen aus und wird ein vermeintlich reicher Edelmann. Maria Agneta heiratet ihn im Glauben, er sei Christian von Tornefeld. Tornefeld selbst verdingt sich jedoch in der Waffenschmiede des Bischofs.
Der Dieb führt ein erfülltes Leben als Gutsherr, Ehemann und Vater, da holt die Vergangenheit ihn ein: die Dragoner und sein früheres Räuberleben bedrohen die mühsam aufgebaute Existenz. Gleichzeitig kehrt der echte Tornefeld zurück. Die Schicksalsfäden der beiden Männer verknüpfen sich erneut.
Schliesslich zwingt das Schicksal den Dieb, für seine Täuschung und seine Verbrechen zu büssen. Was ihm einst Glück und Rettung, führt nun zu seinem Untergang.
Der Roman endet als moralisches, beinahe märchenhaftes Gleichnis über Schuld, Identität und göttliche Gerechtigkeit.









