7 Operellen 2 - Abkürzungen und Beschleunigungen

Nach dem Erfolg der ersten Kurzopernreihe 7 Operellen - millimeterkrisen und miniaturkatastrophen setzen wir die Serie von Kurzopern am Tiroler Landestheater in Innsbruck und im Jugendstiltheater in Wien fort. Wieder schreiben 7 Autoren und 7 Komponisten im Auftrag von sirene 7 Operellen von je 15 Minuten Dauer.

Daniel Glattauer / Johanna Doderer : Falsch verbunden (Libretto)
Johannes Schrettle / Hannes Raffaseder : Play it like Rosie (Libretto) (Klavierauszug) (DA)
Barbara Frischmuth / Ulrich Küchl : Mirabellenkompott oder Mostbirnenmus (Libretto) (VL)
Kristine Tornquist / René Clemencic : Monduntergang (Libretto) (SN)
Günter Rupp / Jury Everhartz : Fröhliche Wissenschaft (Libretto)
Händl Klaus / Klaus Lang : vom mond (Libretto) (Partitur)
Antonio Fian / Herwig Reiter : Tod auf dem Mond (Libretto)

Spielregeln für die Librettisten:
Zu schreiben ist ein kleines Dramulett, für das die handelnden 5 Figuren vorgegeben sind:
Frau/Mann im Mond > Astronaut/in > Koch/Köchin > Briefträger/in > Galileo Galilei

Spielregeln für die Komponisten:
4 Sänger - Sopran, Alt, Tenor, Bass - und eine Schauspielerin können in jeder beliebigen Weise mit den Figuren kombiniert werden. Orchesterbesetzung (solistisch): Violine - Violoncello - Kontrabass - Flöte - Horn - Fagott - Harfe - Posaune - Schlagwerk

Wenn Autoren heute an Reisen durch das All denken, scheint nicht allzuviel Spielraum für ein unbekümmertes Ende. Die fünf Figuren, die alle sieben Operellen miteinander verbinden - Köchin, Briefträger, Astronaut, Galileio Galilei und der Mann im Mond - haben es nicht leicht. Zwischen Erde und Mond passen am besten missglückte Träume, beiläufige Untergänge und witzige Morde. Die Zeiten der Eroberer sind vorbei. Eingriffe ins Unbekannte, das haben Autoren in den letzten 30 Jahren gelernt, sind gefährlich und schnell ist ein Gleichgewicht unbedacht gestört.
Blinde Neugier, Ursprung der Wissenschaft, bringt Unheil. So lässt der Dramolettspezialist Antonio Fian in seinem von Herwig Reiter kongenial witzig vertonten „Tod auf dem Mond“ nur eine einzige Figur die grosse Mondexpedition überleben.
In „Monduntergang“ reisst Galileis wissenschaftliche Neugier gar Mond und Erde in den Untergang - René Clemencics Vertonung von Kristine Tornquists skurril-düstere Geschichte lässt die Klänge als solche in ihrer ursprünglichen Magie sphärisch wirken - zwischen Liturgie und Angriff aus dem Weltall.
Blinde Sehnsucht wird auch nicht erfüllt. Das führen einerseits der junge Grazer Dramatiker Johannes Schrettle  und der oberösterreichische Komponist Hannes Raffaseder  in der Operelle „Play it like Rosie“ vor, die 20 Jahre auf 15 Minuten verkürzt und sich dem Thema unerfüllter Sehnsucht mit Versatzstücken aus Kitschromanen und Popmusik nähert und doch eine ganz eigene Konzentration entwickelt.
Das Motiv findet sich aber auch in den virtuellen Begegnungen im Neusprech des Cyberspace, in denen Daniel Glattauer seine Protgonisten boshaft gerade das finden lässt, wonach sie nicht gesucht haben - „Falsch verbunden“ von Johanna Doderer in raffiniert verschachtelte Rhythmen gesetzt.
Wohl denen, die so langsam und behutsam zu Werke gehen, dass sie sich in den Vorbereitungen erschöpfen. Händl Klaus und Klaus Lang haben zusammen ein subtiles und verdichtetes Stück geschaffen: „vom mond“ gibt in schwebenden Klängen und feinen Zwischentönen dem Ungewissen Raum - unfassbar ist die Verzauberung und der Bann unter dem Einfluss des fernen Himmelskörpers.
Wirklich sicher erscheint man aber nur in der Küche, wo Träume, Surreales und Reales zu geniessbaren Happen verkocht werden, wo All, Abenteuer und Ferne als Phantasien des Geistes viel leichter verdaulich sind.
So kocht Barbara Frischmuth in „Mirabellenkompott oder Mostbirnenmus“ dem Mann im Mond seine Lieblingsspeise und entwickelt rundum ein recht weltliches Treiben, das Ulrich Küchl gekonnt und humorvoll vertont hat.
Und aus Günter Rupps Parabel „Fröhliche Wissenschaft“ hat Jury Everhartz ein rasantes Spiel mit barockem Witz gemacht, in dem alles um einen Küchentopf kreist, dessen Geheimnis erst der Mann im Mond zuletzt lüftet. Denn das ist die Moral von der Geschicht: wo gekocht wird – oder genauer gesagt: wo der Mann im Mond bekocht wird  – dort ist wirklich Ende gut, alles gut.