Österreichische Musikzeitschrift Band 62: Heft 5 / 2007, Jutta Höpfel

Sieben auf einen Streich! Neue "Operellen" Innsbruck (UA 2.3. und Wien)


"Operellen", diese eigenartige Wortschöpfung für sieben Kurzopern an einem Abend, hatten schon 2004 in Innsbruck und Wien für einiges Aufsehen gesorgt (ÖMZ 1-2/2005, S.76). Aber die zweite Serie der Mini-Uraufführungen, von den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters in Koproduktion mit dem sirene Operntheater und Jugendstiltheater nach Wien übersiedelt, brachte im Westen nichts (oder wenig) Neues. Unter dem Titel Abkürzungen und Beschleunigungen erleuchtete die vorgegebene Personage mit Mann (Frau) im Mond, Astronaut, Briefträger, Köchin und Galileo Galilei. Librettisten und Komponisten zu teilweise techno-futuristischen, absurd-komischen oder auch sehr kryptischen Schöpfungen. Jedenfalls lag die Würze in der Kürze von 10 bis 15 Minuten, was manchem Opus nur gut tat. In Daniel Glattauers Text und Johanna Doderers Ostinato-Musik zu Falsch verbunden ergingen sich die Beteiligten im Chatroom in intimem Geblödel; nicht viel geistreicher tauschten Johannes Schrettle und Hannes Raffaseder in Play it like Rosie nostalgische Banalitäten aus. Barbara Frischmuth und Ulrich Küchl kreuzten in Mirabellenkompott oder Mostbirnenmus absurde Dialoge mit relativ kantablen Klängen. Viel rhythmisches Schlagwerk setzte René Clemencic zum Libretto Monduntergang von Kristine Tornquist ein, die den Mond auf die Erde krachen lässt, während Galilei gerade ein neues Fernrohr baut. Tornquist führte auch Regie und verstand es dabei, die heterogenen Zutaten des Abends auf eine Stillinie zu bringen. Dazu lieferte Julia Libiseller eine steril-weisse Bühnenküche mit Klapptüren und -fächern, aber auch originelle Kostüme, die zuweilen an Oskar Schlemmers Figurinen zum Triadischen Ballett erinnerten.
Günter Rupp und Jury Everhartz tauchten in der weder textlich noch musikalisch relevanten Fröhlichen Wissenschaft den langbärtigen Galilei in einen riesigen Kochtopf. Nach sehr viel Fortissimo wirkte Vom Mond von Händl Klaus mit seinem minimalistischen Text und den schwebenden Klängen von Klaus Lang wie eine stille Dada-Insel. Zuletzt fesselten Antonio Fian und Herwig Reiter mit einem interessanten Plot. Der einsame Mann im Mond kann nur Konsonanten stammeln; die ersehnten Vokale bringen ihm erst die gelandeten Astronauten, die dafür sterben müssen. Und der Mann im Mond ist einsam wie zuvor. Hier gingen Text und eine erfrischend instrumentierte, unterhaltsame Musik eine gute Verbindung ein. Für die musikalische Umsetzung der der Partituren sorgten Dirigent Leif Klinkhardt und die 13 einsatzfreudigen Instrumentalisten des Tiroler Ensembles für Neue Musik (TENM), nicht zuletzt verhalfen die heroischen Sängerleistungen von Jennifer Chamandy, Lysianne Tremblay, Alexander Mayr und Andreas Mattersberger sowie die Schauspielerin Eleonore Bürcher den Mini-Opern zu ihrer Bühnenpräsenz.

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