Kronenzeitung, 22.11.2015, Oliver Lang

Aufstieg und Fall des Oligarchen

Der russische Oligarch und Unternehmer Chodorkowski steht für viele für das neue Russland. Ein geschickter Machthaber, der den Sprung in die Post-1989-Epoche geschafft hat und kometenhaft zu einem der Reichsten seines Landes wurde. Und dann unter fragwürdigen Umständen verurteilt wurde. Neben Dokumentationen, Büchern und Filmen gibt es nun über ihn auch eine Oper. Im Semperdepot im sechsten Wiener Gemeindebezirk lässt das Autorenduo Kristine Tornquist (Libretto, Regie) und Periklis Liakakis (Komposition, Dirigat) die Geschichte des Superunternehmers Michail Borissowitsch Chodorkowski abrollen. Dass die Librettistin im Programmheft an erster Stelle genannt wird, hat seine Gründe. Nicht nur ist sie Gründerin der aufführenden sirene-Operntheater-Truppe, sondern vor allem: Mehr noch als bei anderen vergleichbaren Werken steht hier der Text im Fokus.
Das hat vielleicht mit dem zeitgeschichtlichen, dem Publikum sehr vertrauten Thema zu tun, vielleicht aber auch mit der geschickten Präsentation. Die Handlung ist, bei aller Einfachheit und manchmal Schablonenhaftigkeit der Inszenierung, spannend und die schnelle Textabfolge drängt die musikalischen Aspekte ein wenig zurück.
Wobei Liakakis´ klein besetzte Musik durchaus einiges an dramatischem und griffigem Potenzial hat. Und atmosphärisch genau zeichnet. So ist es eine Art Opernkrimi, der die Gesellschaft und Politik Russlands nachzubilden versucht. Macht, Geld, Politik - alles eins? Jedenfalls eine saubere Produktion mit durchwegs guten Sängerleistungen, wie jene von Clemens Kölbl, Steven Scheschareg oder Lisa Rombach.

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