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Feist

Die Geschichte

1. Akt
Feist hat mit seinem Leben abgeschlossen, weil ihm, wie Kleist Mitte November 1811 in seinem Abschiedsbrief an die vertraute Cousine schreibt, "...auf Erden nichts mehr zu lernen und zu erwerben übrig bleibt". Aber er will sein Ende noch aufschieben, bis ihm seine Ersparnisse etwas von jenen Genüssen verschafft haben, die ihm sein ungeglücktes Dasein vorenthielt. Ohnehin muss er, der in den eigenen Augen versagt hat,  infolge diverser Erkrankungen mit dem Tod eher früher als später rechnen. Er fürchtet, vom Tod überrascht zu werden, seine erübrigten Ressourcen ungenützt zurücklassen zu müssen. Andererseits würden die Mittel für eine länger kalkulierte Lebenszeit gar nicht ausreichen, ganz abgesehen von Feists Widerwillen gegen alle weiteren Einschränkungen, auch den der Gesundheit willen gebotenen. Feist wird bei seiner Flucht aus den angestammten Verhältnissen ertappt. Der erste Akt ist der Auseinandersetzung zwischen Feist und den Menschen seiner Umgebung, die ihn zurückhalten wollen, gewidmet. Am Ende haut Feist ab. Seine Freundin bleibt weinend zurück.

2. Akt
Wir treffen Feist in mediterran exotischer Umgebung. Nach dem Ende von Festivitäten, die wohl auf seine Rechnung gingen, teilt er seinen Wirtsleuten mit, am Ende seiner finanziellen Möglichkeiten angekommen zu sein. Doch die Tochter der Wirtsleute gibt dem Verzagenden zu verstehen, die Gemeinde nähme ihn ohne weitere Bezahlung auf, es sei genug bezahlt worden, überdies ginge es gar nicht darum, und sie selbst stünde ihm ohne Vorbehalt zu Diensten. Feist kann das unerwartete Angebot kaum fassen, ebensowenig annehmen. Was ihm zum Glück fehlt, ist die zuhause gelassene Identität. Im Gegensatz zum als eine Art Allegorie des naiven, rein triebhaften Glückes plötzlich erscheinenden Löwen fehlt er sich selbst.

3. Akt
Psychiatrische Abteilung. Feist ist zurückgekehrt. Zu seinen Krankheiten ist noch die des Geistes hinzugekommen. Die Person, die im ersten Akt Feists Freundin war und im zweiten die Tochter der Wirte dargestellt hat, führt nun als Krankenschwester den Kriminalkommissar, der Feist wegen eines dubiosen Deliktes verhören möchte, zum wahnsinnig Gewordenen. Krankenschwester und Kriminalkommissar werden Zeuge von Feists paranoischer Illumination, die nur der Löwe in der Rolle des Narren als Weisen zu deuten versteht. Feist wähnt sich als zum Paulus bekehrter Saulus. Der Glaube hat ihn wieder. Die Musik triumphiert.

Günter Rupp