kleine zeitung

Kleine Zeitung, 11. September 2006, Harald Steiner

Der Fluss bringt mir Wasser und Fische / genau vor mein Maul fall'n die Nüsse / das ist alles klug und schön erdacht / die Welt ist perfekt für mich gemacht.
So besingt Bariton Bartolo Musil in der neuen Oper Circus die Dinge aus Bärensicht. Einen Bruno gibt es auch, der ist aber kein Bär, sondern ein Clown (Tenor Günther Strahlegger). Das hübsche Libretto sowie die Regie stammen von der Grazerin Kristine Tornquist, die abwechslungsreiche, zitierfreudige Musik von Jury Everhartz, und uraufgeführt wurde Circus am Mittwoch im Wiener Jugendstiltheater.
Tornquist und Everhartz - die beiden Namen sind auch als sirene Operntheater ein Begriff, und die gemeinsam verfassten Werke wie Der Kommissar (2002) oder Das Krokodil (2004) tragen eine unverwechselbare Handschrift. Stets gerät die Handlung zu einer Parabel über das Wesen des Menschen, so auch in Circus. Liebe, Eifersucht, der Diebstahl der Zirkuskasse, Mordpläne - das alles treibt Dompteur, Hochseilartistin, Clown und bärtige Frau um, die sich in manchen Szenen in ihr tierisches Alter Ego verwandeln: Bär, Tigerin, Elefant und Affe.
Als Zirkusdirektor und Illusionist, der eingreift, wenn das Geschehen zu bunt wird, agiert Bariton Dieter Kschwendt-Michel. Das Bühnenbild, einem Karussell ähnlich, stammt von Jakob Scheid, die wunderbaren Kostüme von Andrea Költringer. Am Dirigentenpult Anna Sushon, eine Russin, die seit zehn Jahren in Wien lebt.
Schade ist, dass Musik und Libretto des zweistündigen Werks fast nie zur Textverständlichkeit zusammenfinden. Man muss das Libretto nolens volens im Programmheft nachlesen.

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