Theaterkompass, 27.10.2016

sirene Operntheater 2016 Hospital-Trilogie: Hybris - Nemesis - Soma


Das sirene Operntheater widmet sich in diesem Jahr einem hochdramatischen Ort, nämlich dem Krankenhaus, einem Ort, an dem sich unterschiedliche Erzählstränge kreuzen. Während die Patienten in eine existenzielle Krise stürzen, in der es um reines Sein oder Nichtsein geht, folgt das Krankenhauspersonal den Notwendigkeiten des Arbeitsalltags. Doch abgesehen von dieser unlösbaren Diskrepanz zwischen Profis und Laien des Krankseins finden im Spital auch viele der großen ethischen Schlachten der Zeit statt. Ärzte müssen jeden Tag unter Druck Entscheidungen treffen, die Philosophen jahrzehntelang beschäftigen: Fragen um den richtigen Umgang mit Alter und sozialer Gerechtigkeit, um die Proportion und die Grenzen zwischen Leben und Tod, die Unteilbarkeit des Körpers, die Definition und den Wert des menschlichen Lebens.
Die drei Geschichten erzählen von Ärzten, Patienten und Pflegepersonal auf drei Stationen eines modernen Krankenhauses und führen durch die aktuellen Kampfzonen der Medizin: Was ist Gesundheit? Was kann und darf Medizin? Wo sind die Grenzen der Technik?
Die Hospital-Trilogie thematisiert bekannte Topoi der medizinischen Ethik, den Organhandel, die uneindeutige Grenze zwischen Leben und Tod, die Unbarmherzigkeit und die Ökonomie des Krankenhausalltags, erforscht andererseits aber an diesem Ort des Physischen auch die Grenzen zur Metaphysik. So wird etwa in Hybris der Patient Prometheus, der an wissenschaftlich nicht nachweisbaren chronischen Schmerzen leidet, als Simulant entlassen. In der Nacht besucht ihn der Adler.
Šimon Vosecek (Hybris), Hannes Löschel (Nemesis) und Christof Dienz (Soma) vertonen die drei Libretti (Kristine Tornquist) abendfüllend für Kammerorchester und 9 Sänger. François-Pierre Descamps und Jury Everhartz haben die musikalische Leitung, Kristine Tornquist inszeniert mitten in einem dichten Urwald als Sinnbild des ewigen Sterbens und ewigen Lebens.

Andere Kritiken