Offener Brief an die Mitglieder der Initiative "Mit der Stadt reden"

Wir von Stadt und Bund geförderten und abhängigen Veranstalter sind in der gleichen Klemme wie die, mit denen wir zusammenarbeiten. Wir sitzen im selben Boot.
Denn obwohl wir wie ein "Markt" behandelt werden, sind wir es nicht. Das Recht auf Förderung, das Recht auf ein Leben als Künstler steht nirgends festgeschrieben. Wir bewegen uns mit allen Forderungen immer in einem luftleeren Raum - dem Goodwill des Staates. Nirgends steht verbidnlich festgeschrieben, wie hoch die Förderung der Freien Szene sein muss, auch nicht, wieviele Künstler gefördert werden sollen, dass gelernte Künstler von ihrem Beruf leben können müssen. Andererseits sollen wir uns mit dem wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Schema der Gewerbe messen, das auf die Kunst hinten und vorne nicht passt.
Unsere Einreichungen werden danach beurteilt, wie hoch der Ausstoss gemessen an der Fördersumme ist. Das steht dann festgeschrieben in den Förderverträgen. Es ist unmöglich, diese Förderverträge mit den bestehenden Gesetzen in Einklang zu bringen.
Die Nebenkosten von Anstellungen sind dermassen hoch, dass es mit einer Kulturförderung nicht zu decken ist. Würde sirene alles nach den erhobenen Forderungen abwicklen, hiesse das: eine Oper statt drei Opern. Zwei Komponistenhonorare, 40 Musikerhonorare, 50 Mitarbeiterhonorare weniger! Statt dessen bräuchten wir ein Lohnbüro.
Wie Bernhard schreibt, ist das auch nicht im Sinne der Sache. Oder: Ich erinnere an Festivals, die mit slovakischen Orchestern arbeiten, weil soe ich österreichische Musiker nicht leisten können oder wollen.
Das Argument, dass das Publikum dann aufschreiben würde vor Empörung, halte ich für naiv.
Was allerdings tatsächlich das Leben von uns allen verbessern würde, wäre: die Gesetze für die Beschäftigung, Versicherung, Absicherung, alle Nebenkosten und Vertragsbestimmungen, kurz das Arbeitsrecht für Künstler endlich der Realität angepasst werden würde. Das wäre ein Kampf, der zwar sicher schwer wäre, der sich aber lohnen würde.

14.08.2019 Kristine Tornquist | Initiative MIt der Stadt reden