Kleine Zeitung, 2. März 2004, Harald Steiner

Zwölf Klaviere und ein Krokodil. Opernuraufführung nach Dostojewski:
"Das Krokodil", ein Experiment von Jury Everhartz


Zwölf Klaviere formten das klangfarbenreiche Orchester für die Uraufführung der Oper "Das Krokodil" des Berliners Jury Everhartz durch das "sireneOperntheater". Ein dreizehnter Flügel erwies sich als hohle Attrappe; Er diente als Aufenthaltsort für den vom Krokodil verschlungenen, unversehrt gebliebenen Beamten Iwan Matwejewitsch (Bernd Fröhlich).
Ein Fragment von Dostojewski ist Grundlage der grotesken Geschichte. Der Krokodilsbesitzer (der Grazer Bassbariton Rupert Bergmann) weigert sich, das Tier zu opfern, um den Gefangenen zu befreien, und erhöht statt dessen die Eintrittspreise. Iwan selbst genießt es, erstmals als interessant zu gelten und will nicht mehr heraus aus dem Krokodil. Anderthalb Stunden dauert die Oper und die Regie steht vor einer schwierigen Aufgabe, passiert doch nach der ersten Szene nichts Bühnenwirksames. Der Reiz der Erzählung liegt in den verqueren Dialogen, die man in der gesungenen Version schwer versteht. Die Grazerin Kristine Tornquist lässt daher einen Pianisten erläuternde Worte sprechen und bietet jede Menge Einfälle auf, um das musikalisch spannende Experiment auch sehenswert zu machen.

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