Der Standard, 2. März 2004, Beate Hennenberg

Keine Angst vorm Krokodil!


Es lässt sich darüber streiten, ob das von Fjodor M. Dostojewski im Erzählfragment Das Krokodil angeprangerte "ökonomische Prinzip" von Europa nach Russland eingeführt wurde, ob es umgekehrt war oder ob es nicht schon überall auf der Welt lauerte. So, wie das in der Schaubude ausgestellte Krokodil. Eigentlich ein fast zahnloser Klapperkasten, der die Situation aufmischt - nachdem der brave beamtete Russe Iwan Matwejewitsch (mit grossem Stimmumfang: Bernd Fröhlich) das Vieh mit einem Regenschirm sekkiert. Und das nur, um seiner Frau Jelena (darstellerisch überzeugend: Lisa Fornhammar) zu gefallen. Klar, dass sich das Vieh wehrt und ihn frisst. Hausfreund Semjon Semjonowitsch kommentiert das Geschehen vom Kaffeehaus aus. Die Personen in Jury Everhartz´ gleichnamiger Oper (Librettofassung und Regie: K. Tornquist) handeln genauso, wie man es von ihnen in Zeitung der materialistischn Seelenlosigkeit erwartet. Hinzu kommen zwölf PianistInnen, die nebenbei singen. Eine absurde Irrfahrt in den ganz normalen Wahnsinn. Dirigent Marino Formenti hob die Produktion des sireneOperntheaters aus der Taufe.
Das ökonomische Prinzip behielt auch am Ende des Abends seine Gültigkeit: nix mit gerechter Verteilung von Gütern. Die zur Garderobe Eilenden konnten die Taschen nicht voll genug bekommen mit den von den Näherinnen (B. Dorfmann, P. Ernstbrunner, H. Gruber, Alt) gefertigten Filzkrokodilen.

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