Der Neue Merker, Oktober 2012, Hans Peter Nowak

Die Wiener Musiktheater - Rückblick und Vorschau

13 verschiedene Gruppen haben sich an den 2 Abenden von 18h bis 25h (!) präsentiert. Ich war am 22.9. bis 22h dort.
Totales Theater brachte ein einstündiges Video über "Kupferblums Kopfweh". Martin Kupferblum gründete dieses erste freie Ensemble 1987 und ist sein Regisseur. sirene gab "5 Monochorde", ein automatisches Streichquintett von Jakob Scheid: computergesteuerte elektronische Musik durch fliegende Ballons mit daran befestigten Streicherbögen. Oper unterwegs brachte zunächst "Flaschenpost" mit französischen Texten vom griechischen Komponisten und Textautor Georges Aperghis, hervorragend gebracht mit vollem Einsatz von Körper und Stimme durch Franziska Sörensen. Das etwas später gebrachte Stück "Der Jäger Gracchus" nach einem Text von Franz Kofler mit wenig zugespielter Musik von Olga Neuwirth hat mich als einziges enttäuscht. Der Jäger rennt unentwegt im Kreis, ein Mann schleppt ein Boot unendlich langsam über die Bühne und zeitweilig ist auch eine Frau da. Vom Schwarzwald ist die Rede, Riga kommt im Untertitel des Stückes vor, aber 2 Alphörner (das Beste am ganzen Stück) lassen an die Schweiz denken. Das war das einzige Stück, wo ich mich wie ein kleines Kind (das im Konzept der Oper unterwegs genannt wird) gefragt habe: "wann ist's aus?" Die anderen Stücke kannte ich schon, sie waren bei der Wiederbegegnung umso erfreulicher. MuPATh wiederholte aus der Wiener Kammeroper das Stück "Blaubarts" aus der Trilogie "Vogel, Herzog, Idiot", komponiert von Samu Gryllus für den hervorragenden Bariton Rupert Bergmann. Klarer als seinerzeit wirkte das Sujet auf mich. Balász Horvath dirigierte ein kleines Ensemble von 5 Musikern. Den Abschluss des Abends bildeten "Burka Baazi", eine Pantomime nach Musik von Akos Banlaky (2011 im Rahmen von "1001 Nacht" in der Ankerfabrik aufgeführt - unter den Burkas verbergen sich Männer und Frauen) und die Arie "Der Striptease der Bärtigen Dame" aus der Oper "Circus" von Jury Everhartz, einer Säule des sirene Operntheaters. Lubica Gracova gab die Sängerin dieser wirklich guten Arie. Francois-Pierre Descamps dirigierte ein Instrumentalensemble, das sich sowohl auf afghanisch wie auf westlich.dekadent gut auszudrücken wusste.
Präsentiert wurde auch ein neues Buch "Fragen an das Musiktheater" (Edition Atelier), in dem die Vertreter der jetzt im "Verband der freien Wiener Musiktheater" zusammengeschlossenen freien Gruppen 16 Fragen beantworten, zum Beispiel nach der Zusammenarbeit mit Komponisten. Zahlreiche bunte Bilder aus einschlägigen Produktionen der letzten Jahre ergänzen das Buch, das mit einem Vorwort von Irene Suchy beginnt.

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