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Chalifa und die Affen

Musik. Kurt Schwertsik
Text. Kristine Tornquist

Chalifa. Erwin Belakowitsch
Glücksaffe. Cathrin Chytil
Unglücksaffe. Raimund Klebel
Der Jude. Richard Klein
Händler. Barbara Braun. Christian Kohlhofer. Katharina Köller. Tristan Jorde. Stefan Kurt Reiter

Bühnenrechte: Boosey & Hawkes, London
Vertreten durch: Thomas Sessler Verlags-GmbH Musikverlag, Wien

Das Schicksal ist ein Affe
Der Fischer Chalifa ist ein frommer Mann. Jedesmal, bevor er sein Netz auswirft, betet er um einen Fang. Seine Gebetsformel ist seine letzte Hoffnung. Es bleibt ihm nichts anderes als diese Hoffnung, denn er ist vom Unglück verfolgt. Aller Vergeblichkeit zum Trotz hofft er, betet er und wirft geduldig sein Netz aus. Das Unglück, das ihn verfolgt hat, erscheint ihm in Form eines sprechenden Affen als heilige Karikatur seiner selbst – schäbig, krumm und einäugig. Und mit derselben unerschütterlichen Beharrlichkeit wie Chalifa gegen sein Unglück arbeitet, hat sich spiegelbildlich das Unglück gegen seine Hoffnung und seine Bemühungen geplagt. Du machst es mir aber nicht leicht, beklagt sich der Affe, nachdem er versehentlich selbst ins Netz gegangen ist und Chalifa endlich sein Unglück in der Hand hat. Damit wendet sich Chalifas Schicksal und seine Hoffnung erfüllt sich - auch wenn Gott, zu dem er gebetet hat, sich nur in solchen skurrilen Abgesandten zeigt.
Diese Geschichte zeigt die Waage des Schicksals als symmetrische Anordnung: des einen Glück ist des anderen Unglück und umgekehrt. Es gibt nicht genug Glück für alle. Damit Chalifa auf die Seite des Glückes fällt, muss ein anderer sein Glück verlieren. Nicht ganz von ungefähr trifft das den reichen Jude – jene Klischeefigur des Neides – dessen komplimentäres Schicksal zu bedauern die Geschichte vom Hörer und Leser nicht verlangt. In dieser Geschichte lässt sich das Glück mit einem Wort erkaufen.doch es muss das richtige Wort sein. Zwar beruft sich auch der Jude auf das Wort - Das Wort ist Gott. Gott ist das Wort, sein Fehler ist nur, dass er die Bedeutung des Affen als eine Erscheinungsform des wahren Glaubens nicht erkennt. Er spricht die magische Formel „Ich tausche meinen Affen gegen deinen“ leichtfertig aus - und hat schon sein Glück verloren. Der Affentausch hat seine Quelle möglicherweise in einem alten orientalischen (hethitischen) Ritus, in dem das Unglück stellvertretend durch einen Affen in Richtung des Feindes geschickt wird. Affen gelten als Unglückstiere oder Verbündete des Teufels, doch Chalifas Geschichte ist nicht die einzige, in der Affen der Schlüssel zum Glück sind.
Im weiteren Verlauf der Geschichte begegnet Chalifa in seiner anhaltenden Glücksträhne dem Kalifen Harun ar-Raschid auf dessen Streifzügen durch das Volk, hält ihn für einen Trompeter (weil deine Nasenlöcher so gross sind und dein Mund so klein ist), lehrt ihn das Fischerhandwerk und fischt schliesslich die einer Intrige zum Opfer gefallene Lieblingssklavin des Kalifen aus dem Meer. Zuletzt wird der arme und immer etwas lächerliche Fischer an des Kalifen Seite ein geachteter und wohlhabender Mann - ohne jemals ganz zu verstehen, wie ihm da geschieht.

Chalifa und die Affen  - Inhalt
Der glücklose Fischer Chalifa fischt statt Fischen einen Affen aus den Wellen und erfährt, dass das der ihm bestimmte Unglücksaffe ist. Als er sein Ruder hebt, um den Affen zu erschlagen, beschwört ihn dieser, noch einmal das Netz auszuwerfen, es solle ihm Glück bringen. Diesmal ist der Glücksaffe des reichen Juden im Netz, der ihm einen Rat gibt, wie er zum Glück gelangen kann. Er wirft also noch einmal das Netz aus und findet diesmal einen wunderschönen Fisch darin. Doch der Glücksaffe rät ihm, diesen Fisch nicht zu verkaufen, sondern ihn für ein Wort zu verschenken. Chalifa schenkt also den Fisch auf dem Markt dem reichen Juden für ein Wort und tauscht “seinen Affen” gegen seinen. Der Jude hält den Chalifa für verrückt und geht auf den Handel ein, ohne zu wissen, was er da tut. Das Glück des reichen Juden geht damit auf den Fischer Chalifa über.
Nach der Littmann-Übersetzung der Kalkuttaer Ausgabe beginnt diese Geschichte in der 831. Nacht von Shahrazads nächtlichem Erzählmarathon. Inzwischen hat sie dem König Schariyar Kinder geboren und kann selbst schon langsam Hoffnung hegen, dass sie eines Tages wieder ruhig durchschlafen kann, ohne Nacht für Nacht um das Glück kämpfen zu müssen.

Kurt Schwertsik zum Publikum

Wie alle Menschen treib ich durch die Zeit
Hab viel gesehn & viel gedacht
& wirke daraus meine Wirklichkeit
Die mir die Welt erträglich macht.

Dies hübsche Märchen hab ich in Musik gesetzt
Dabei versucht, den Text nicht zuzudecken
Kein Musiker, kein Sänger wird dabei verletzt
Sonst müsst ich mich am Ende noch verstecken.

Das will ich nicht, ich möchte mich verbeugen
– ich bitt um ausreichend Applaus –
Mich mit der ganzen Künstlerschar verneigen
Denn viel zu früh ist alles aus.