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Der automatische Trompeter

Bei diesem Musikautomaten handelt es sich um ein Remake des berühmten Trompeters von Johann Nepomuk Mälzel. Mälzel baute ihn in den Jahren 1807-1808 in Wien und er galt zu seiner Zeit als technische Sensation. Bei genauerer Untersuchung seiner Funktionsweise zeigt sich Mälzels erfinderischer Witz, denn das Spiel des Trompeterautomaten basiert eigentlich auf einem Trick: Der Ton entsteht nicht durch das Zusammenspiel von Trompetenresonanz und Lippenspannung, wie beim menschlichen Trompeter, sondern durch eine vibrierende Zunge (ein Metallblättchen) im Kopfbereich des Automaten. Von hier aus wird der bereits fertige Ton durch die Trompete geschickt, die nur noch die Klangfarbe moduliert - der Trompeter kann also auch ohne Trompete spielen.
Im Unterschied zum Remake war die Mechanik des Originals in einer lebensgroßen Holzfigur verborgen, die einen Soldaten darstellte. Den politischen Umständen seiner Zeit entsprechend, konnte die Uniform des Trompeters schnell gewechselt werden. Auch die Musikstücke, die auf mechanischen Stiftwalzen programmiert waren, konnten für jeden Anlass angepasst werden. Neben Gastspielen in mehreren europäischen Metropolen spielte der Trompeter 1810 in Wien zu Ehren von Napoleons Gemahlin Erzherzogin Maria-Louise. Drei Jahre später hatte er einen prominenten Auftritt im Rahmen der
Uraufführung von Beethovens Orchesterwerk "Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria". In den 1830er Jahren tourte er durch Amerika. Seinen letzten Auftritt hatte der Trompeter (laut Legende) 1848 in Wien, als Mälzels Bruder Leonhard den Trompeter in der Uniform eines k. k. Kürassiers kaiserliche Fanfaren schmettern ließ, um die Mälzelsche Werkstatt vor der Verwüstung durch eine Gruppe von Aufständischen zu retten. Danach verliert sich seine Spur.
Das Remake ist keine Rekonstruktion des Originals, sondern es ist der Versuch, einen letzten Schatten des Trompeters aufzufangen - ein Röntgenbild seines Skeletts und seiner mechanischen Organe. Aber auch als Schatten erweist sich der Trompeter flexibel: Zum Auftakt von "Gilgamesch" spielt er einen Appell: "Einsteigen der Mannschaften!".
Das Remake entstand anlässlich des
Jubiläumskonzerts der Universität Wien im Februar 2015 in einer Kooperation des Instituts für Musikwissenschaft der Universität Wien und der Universität für angewandte Kunst.

Jakob Scheid

Der automatische Trompeter wurde von Jakob Scheid entworfen und gebaut.