25-gilga-liakakis11.jpg 04-gilga-liakakis04.jpg 11-gilga-friess03.jpg 24-gilga-friess08.jpg 33-gilga-liakakis15.jpg 10-gilga-friess22.jpg 21-gilga-friess19.jpg 15-gilga-friess14.jpg 26-gilga-liakakis09.jpg 32-gilga-liakakis16.jpg 14-gilga-friess13.jpg gilga-heckmann1.JPG vorn_hinten29.5.2015.JPG 29-gilga-liakakis10.jpg 16-gilga-friess16b.jpg 28-gilga-friess07.jpg 12-gilga-liakakis06.jpg 21-gilga-liakakis17.jpg 13-gilga-liakakis07.jpg 19-gilga-friess17.jpg 20-gilga-friess18.jpg 08-gilga-liakakis03.jpg 01-gilga-liakakis01.jpg 07-gilga-liakakis02.jpg 12-gilga-liakakis05.jpg 05-gilga-friess00.jpg 30-gilga-friess05.jpg 13-gilga-friess21.jpg 00-gilga-liakakis00.jpg 18-gilga-liakakis12.jpg 06-gilga-friess02.jpg 17-gilga-liakakis13.jpg 31-gilga-friess04.jpg 18-gilga-friess20.jpg 23-gilga-friess10.jpg 27-gilga-friess09.jpg 03-gilga-friess01.jpg 02-gilga-friess12.jpg 33-gilga-friess23.jpg gilga-heckmann2.JPG 22-gilga-friess11.jpg 09-gilga-liakakis08.jpg

Text und Musik

Frühen sumerischen  Aufzeichnungen zufolge wurden die Epen dem Herrscher vorgesungen, während er mit seinen Beratern und Freunden zu Tisch sass und Bier trank. René Clemencic setzte deshalb bei seiner Vertonung des Epos auf den Gesang. 16 Protagonisten besingen die Kämpfe und Leiden und die Reisen des Helden ans Ende der Welt, begleitet von einem sehr ungewöhnlich besetzten Kammerorchester von fünf Streichern, fünf Blechbläsern und sage und schreibe fünf Schlagwerkern. Als Spezialist auch für Alte Musik weiss Clemencic dabei genau, was die menschliche Stimme kann: erzählen.

Das Libretto von Kristine Tornquist verbindet eine texttreue Bearbeitung des immer noch nicht vollständig vorliegenden Epos in Ergänzung durch andere sumerische bzw akkadische Mythen und Texte. Und - als einzigen Eingriff in das sonst original belassene Material - den abstrakten Begriff der Zeit, den die mesopotamischen Völker nicht kannten. „Zeit“ ist der Refrain der Götter, „Zeit“ ist das Begehren Gilgameschs. In der Inszenierung werden die modernen Götter - als Spiegelbilder der Zuschauer, als Chor der Erinnernden - die alte Geschichte kommentieren und sie gestalten. Ob sie nun aus einem Schnürboden die Fäden der Geschichte ziehen oder ob sie selbst in die Kostüme der erinnerten Figuren schlüpfen, um Ereignisse nachzustellen, vermittelt doch klar: die Götter, die Überlebenden, sind wir selbst, denn unsterblich wird Gilgamesch nur in unserer Erinnerung, in der er auch im 21. Jahrhundert immer noch lebendig ist.

René Clemencic
, vor allem bekannt als Pionier der Alten Musik, hat in seinen eigenen Bühnenkompositionen und Oratorien oft auf antike Stoffe - zum Teil auch in Originalsprachen wie Hebräisch oder Altgriechisch - zurückgegriffen und eine eigene musikalische Sprache dafür entwickelt, die der Unantastbarkeit und Wörtlichkeit der Texte viel Raum gibt und dennoch ganz eine eigene Tonsprache verfolgt.

 

René Clemencic über seine Komposition

GILGAMESCH, das wahrscheinlich älteste Epos der Welt, ist für mich die ewige Geschichte des ICH. Des ICH, das im illusionären Zeitstrom zunächst seine maß- und schrankenlose Hybris auslebt, bis es durch die bestürzende Begegnung mit dem DU zu sich und zur Welt kommt. Der nun erlebbare TOD macht ZEIT als Begrenzung spürbar. Die daraus resultierende ANGST treibt hinein in die hoffnungslose Suche nach UNSTERBLICHKEIT. Die jetzt in Demut erkennbare Weltstruktur führt zu einem, in der Dauer begrenzten, im tätigen Wollen aber unbegrenzten LEBEN.

Wie bei meinen anderen Kompositionen wollte ich auch bei der Vertonung des GILGAMESCH im Wesentlichen nichts wirklich Neues schaffen, sondern nur bereits irgendwie Vorhandenes hörbar machen.
So ist in diesem Werk Melodisches weitgehend durch Tonbuchstaben des Textes, Rhythmisches durch Zahlensymbolik bestimmt. Auch das Instrumentarium ist zahlensymbolisch geprägt. Es gliedert sich in drei Fünfergruppen: 5 Streicher, 5 Bläser, 5 Schlagzeuger. Bei Plato ist Fünf die Zeugungszahl. Hervorbringen, Zeugen wird als Herausfünfen bezeichnet.

René Clemencic