Wiener Zeitung - 16.11.2013, Lena Dražic

"Gates" oder die Langatmigkeit der Aphorismen


Die Oper ist tot? Es lebe die Operelle! So könnte das Motto von Kristine Tornquist und Jury Everhartz lauten. Als sirene Operntheater scheinen es sich die beiden zum Ziel gesetzt zu haben, mit Hilfe der Miniatur die Oper zu retten und zugleich dem ach so ernsten Neue-Musik-Betrieb ein selbstironisches Augenzwinkern entgegenzusetzen. Heuer ist das Kurzopern-Projekt erstmals bei Wien Modern vertreten, wo unter dem Titel "Gates" - dem Motto der diesjährigen Weltmusiktage, die zufällig dem Avantgarde-Festival zusammenfallen - und in Kooperation mit progetto semiserio ein Abend mit acht Einaktern gestaltet wurde. Dass der fröhliche Minimalismus unversehens in sein Gegenteil umschlagen kann, zeigte sich bei dieser Gelegenheit daran, dass die musiktheatralen Petitessen in Summe einen vierstündigen Abend ergaben.
Die Miniatur als Ort der Zuspitzung, der Pointierung und Übertreibung macht die kleine Form tatsächlich zu einem bevorzugten Ort des Experiments. Der Ausgang von Experimenten aber ist definitionsgemäß ungewiss. So fielen die Ergebnisse denn auch durchaus gemischt aus - auch, was die Qualität betraf. Im ersten Teil des Abends, der das Thema Gastfreundschaft behandelte, überzeugte am ehesten noch "Axi", eine treffende Milieukarikatur aus der Feder von Antonio Fian. Abwechslungsreich und vielgestaltig klang die Musik von Jaime Wolfson in der Interpretation des Ensembles Platypus, in Jakob Scheids liebevoll klaustrophobischem Bühnenbild machte vor allem Theresa Dlhouy trotz Erkrankung gute Figur.

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