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Die Presse, 16.Mai 98, Gerhard Kramer

Mit einem eindrucksvollen Barockspektakel feierten die Jesuiten die endlich abgeschlossene Restaurierung ihrer Kirche. Ein gewaltiges Schiff ragt hoch in den goldglänzenden Kirchenraum. Gegenüber, auf der Westempore, ist der rotstrahlende Ort Luzifers; auf der Kanzel residiert Abt Pertrandis, der den geraubten Sohn des Fürsten Artus und seiner Gemahlin Hierlanda retten und später zur Befreiung seiner unschuldig verfolgten Mutter heimsenden wird. Und immer wieder tönt Musik aus verschiedenen Höhen und Fernen durch den Raum... Bewundernswert, was der junge Jesuitenpater Hannes Pircher und seine Mitstreiter da in monatelanger Vorbereitungszeit zustande gebracht haben. Grundlage ist ein volkstümliches, behutsam überarbeitetes Mysterienspiel aus dem Südtiroler Vintschgau. Inszeniert hat das, gestützt auf eine Schar ausgezeichneter Schauspieler, Kristine Tornquist. Sie hat den gesamten Kirchenraum genützt, dabei freilich Entscheidendes außer Acht gelassen: Daß nämlich wesentliche Szenen für viele Besucher weder zu hören noch zu sehen waren. Da half auch die exzellente Lichtregie Philipp Harnoncourts wenig. Interessant die Bühnenmusik des 27jährigen, aus Berlin stammenden, Jury Everhartz: Wie er ausgehend von einfachen, zum Teil historischen Modellen wie dem gregorianischen Magnificat durch Anreicherung und Überlagerung mit bewegteren Vokal- und Instrumentalstimmen dichte Klanggewebe schafft und wieder auflöst, vermag durchaus zu fesseln. Interessiert (und nur vereinzelt frustriert) folgte das Publikum.

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