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Der Neue Merker, 28.03.07, Klaus Billand

Nach der Uraufführung der 7 Kurzopern Operellen – Abkürzungen und Beschleunigungen am Tiroler Landestheater am 2. Mrz 2007 wurden diese etwa zehnminütigen Dramolette nun in einer Koproduktion von Tiroler Landestheater, sireneOperntheater und Jugendstiltheater Wien am Steinhof vorgestellt. In der Inszenierung von KRISTINE TORNQUIST, der Dramaturgie von ROMANA LAUTNER und unter der musikalischen Leitung von LEIF KLINKHARDT, der das TIROLER ENSEMBLE FÜR NEUE MUSIK dirigiert (Viola, Cello, Kontrabass, Flöte, Horn, Fagott, Posaune, Harfe und Schlagwerk), erleben wir einige mehr, andere weniger beeindruckende Kurzgeschichten um eine ungewöhnliche Gruppe von Personen, nämlich Mann im Mond/Frau im Mond, Astronaut/in, Briefträger/in, Koch/Köchin und Galileo Galilei. Es beginnt mit Falsch Verbunden (Libretto DANIEL GLATTAUER, Musik JOHANNA DODERER) im für alle Dramolette gleich bleibenden Bühnenbild eines halbgeschwungenen Chatrooms, der diverse Türen und Fenster hat, aus denen die Akteure hereinkommen oder abgehen. Oben trohnt ein Globus, um die planetarische Kontraposition der Erde zum Mond anzudeuten (Bühnenbild JULIA LIBISELLER). Ganz originell wirkt in diesem Dramolett die unterschwellige Kritik an der Verkümmerung der menschlichen Kommunikation im Zeitalter der Internetkultur, u.a. durch den Einsatz raffinierter Wortspiele. Es gibt keine Post für den Briefträger mehr, und im einzigen Brief, den er zustellt, steht nichts mehr drin. Die Aktionen werden musikalisch eher nur begleitet. Aber es gibt handlungsbezogen auch dramatische Steigerungen. Im folgenden Play it like Rosie (Libretto JOHANNES SCHRETTLE, Musik HANNES RAFFASEDER) geht es unter drei Jugendlichen um die Frage, warum keine Frau auf dem Mond landen kann. Die dramatische Komponente steht mit überwiegendem Sprechgesang im Vordergrund und endet schliesslich fast in einer Pantomime. In Mirabellenkompott oder Mostbirnenmus (Libretto BARBARA FRISCHMUTH, Musik ULRICH KÜCHL) geht es um die Liebelei der Köchin mit dem ersehnten „Mannsbild“ Galileo, die von nahezu romantischen Klängen impressiv begleitet werden. Sie erinnern an den Musikstil der finnischen Komponistin Kaija Saariaho. In Monduntergang (Libretto KRISTINE TORNQUIST, Musik RENÉ CLEMENCIC) erleben wir einen dramatischen Spannungsaufbau durch Galilei, der das Größerwerden des Mondes in seinem Fernrohr beobachtet, bis dieser schliesslich auf der Erde zerschellt – Monduntergang auf eine ganz andere Weise. Nach viel Sprechgesang, Stimmverzerrungen und dunkler Begleitmusik endet das Stück nach dem Riesenknall in besinnlichen und sphärischen Klängen beruhigend. Weniger stringent dramatisiert wirkt die folgende Fröhliche Wissenschaft (Libretto GÜNTER RUPP, Musik JURY EVERHARTZ), bei der auch die Musik lediglich eine sparsam kommentierende Funktion hat. In einer gänzlich abweichenden musikalischen und dramatischen Ästhetik erscheint dagegen vom Mond (Libretto HÄNDL KLAUS, Musik KLAUS LANG), in dem langgezogene, einsilbig wirkende Versteile von sphärischen, bis in fast unhörbares Piano führenden Orchesterklängen begleitet werden. Hier entsteht im Jugendstiltheater eine besinnliche Stimmung, zu der auch die subtile Beleuchtung von FLORIAN WEISLEITNER beiträgt. Den abschließenden Tod auf dem Mond (Libretto für eine Blutoper von ANTONIO FIAN, Musik HERWIG REITER) leiten einige Instrumentensoli ein, während der bedauerliche Mann im Mond sehnlichst auf die Vokale wartet, die ihm die Mondlandung Galileis, der Köchin und des Astronauten bescheren soll. Genau zu diesen Wortfetzen vernehmen wir die schönste romantisch klingende Musik des ganzen Abends, ein interessanter Kontrast. In Armstrongscher Manier steigen die drei auf dem Mond ab und kommen schliesslich alle um. Der Mann im Mond hat nun aber endlich seine Vokale - sie helfen ihm auch nicht mehr, er bleibt allein zurück. In einer meist guten Personenregie und ansprechenden Kostümen (JULIA LIBISELLER) agieren die stimmstarke Sopranistin JENNIFER CHAMANDY, eine bisweilen zu leichten Schärfen neigende Mezzosopranistin LYSIANNE TREMBLEY, der durchschlagskräftige Tenor ALEXANDER MAYR und der Bassist ANDREAS MATTERSBERGER. ELEONORE BÜRCHER als Schauspielerin beeindruckt durch gekonnte Pantomimen und oft parodistische Akzentuierung. Ein interessanter, wenn auch nicht immer ganz von Langeweile freier Abend.

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