Opernwelt - 01. November 2011, Gerhard Persché

Neue Räume, neue Klangwelten

Freilich gibt es immer wieder Unentwegte, die Oper zumindest als Untote begreifen, ihr immer wieder frisches Blut zuführen und ihre Aktualität zur Diskussion stellen - zum Beispiel in der Wiener Musiktheaterszene. Walter Kobéra, engagierter Leiter der Neuen Oper Wien, gehört dazu wie Kristine Tornquist mit ihrem sirene Operntheater. (...) In der Expedithalle hat das sirene Operntheater im August und Anfang September unter dem Titel "alf laila wa laila" einen Teppich aus 1001 Nacht ausgebreitet, gewebt aus elf neuen Kurzopern unterschiedlicher Qualität (unter anderem von René Clemencic und Kurt Schwertsik), Kristine Tornquist setzte sie subtil in Szene.
Zur Uraufführung von Wolfram Wagners Kammeroper "Türkenkind" (nach Irène Montjoyes Roman "Maria Theresias Türkenkind") wechselte sirene dann stimmig ins Schlosstheater Schönbrunn. Das Werk erzählt von Anna Maria, einer Sklavin, die als 14jährige vom Orden der Trinitarier in Konstantinopel freigekauft wurde, 1745 nach Wien kam und von Kaiserin Maria Theresia adoptiert wurde. Zum Libretto von Kristine Tornquist konfektionierte Wolfram Wagner eine die Handlung spritzig und mit viel Atmosphäre illustrierende Partitur, die sich in mehreren Schichten zwischen Entertainment und Dramatik ausbreitet und dank der häufig eingesetzten orientalischen Kurzhalslaute, dem Oud, auch nach dem Nahen Osten duftet. Die 70minütige Kammeroper, ein Ein-Personen-Stück, widersetzt sich der üblichen linearen Erzählweise und schildert Anna Marias Schicksal in punktuellen Rückblenden vom Lebensende bis zur Kindheit. Nina Plangg bewältigt in Tornquists aufs Wesentliche reduzierter, fantasievoller Inszenierung die Rückwandlung von der alten Frau zum kleinen Mädchen atemberaubend.

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