Alfred Noll
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Rechtsanwalt und Publizist.
Alfred Johannes Noll wurde am 30. Jänner 1960 in Salzburg geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in einem Umfeld, das früh seine intellektuelle Neugier und sein Interesse an gesellschaftlichen Fragen prägte. Zwischen 1966 und 1970 besuchte er die Volksschule in Salzburg, anschließend wechselte er an das Werkschulheim Felbertal in Ebenau. Dort absolvierte er nicht nur die Matura, sondern erlernte parallel den Lehrberuf des Radio‑, Fernseh‑ und Fernmeldetechnikers.
Nach der Schulzeit begann er 1979 das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Salzburg, das er 1983 mit der Promotion zum Dr. jur. abschloss. Sein wissenschaftlicher Horizont reichte jedoch weit über die Rechtswissenschaft hinaus: Von 1983 bis 1985 studierte er Soziologie am Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien – was sein späteres Denken über Recht, Gesellschaft und Öffentlichkeit maßgeblich beeinflusste.
In den folgenden Jahrzehnten etablierte sich Noll als einer der profiliertesten Medienrechts‑, Urheberrechts‑ und Restitutionsexperten des Landes. Er arbeitete als Rechtsanwalt in Wien, beriet zahlreiche Medienunternehmen und vertrat prominente Fälle, die oft weit über den juristischen Rahmen hinaus gesellschaftliche Debatten auslösten. Seine Expertise brachte ihm hohe Anerkennung ein, darunter auch den Staatspreis für Kulturpublizistik.
Parallel zu seiner anwaltlichen Tätigkeit war Noll als Hochschullehrer tätig und veröffentlichte zahlreiche Sachbücher, Essays und Kommentare. Sein Stil war pointiert, analytisch und oft bewusst provokant – ein Markenzeichen, das ihn zu einer unverwechselbaren Stimme im österreichischen Diskurs machte. Er moderierte zudem das Radioformat „Die Kunst der Demokratie“, in dem er politische und gesellschaftliche Fragen mit Tiefgang und kritischem Blick beleuchtete.
Politisch trat Noll vergleichsweise spät in Erscheinung. 2017 schloss er sich der von Peter Pilz gegründeten Liste Pilz (später „JETZT“) an und wurde im selben Jahr als Abgeordneter in den österreichischen Nationalrat gewählt. Dort wirkte er bis 2019 und profilierte sich als unabhängiger, oft unbequemer Geist, der juristische Präzision mit politischer Klarheit verband. Seine parlamentarische Arbeit war geprägt von Themen wie Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und demokratischer Kontrolle.
Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Nationalrat blieb Noll eine prägende Figur im öffentlichen Leben. Er trat bei den Wiener Festwochen als Ankläger in Milo Raus „Wiener Prozessen“ auf, veröffentlichte weiterhin Bücher und Kommentare und blieb ein gefragter Experte für medien‑ und verfassungsrechtliche Fragen. Dem sirene Operntheater stand er für eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Eigentum ist heilig" zur Verfügung.
Am 16. März 2026 verstarb Alfred Johannes Noll unerwartet im Alter von 66 Jahren in Wien. Sein Tod löste breite Anteilnahme aus – nicht nur in juristischen und politischen Kreisen, sondern auch in der Kulturszene und der breiten Öffentlichkeit. Wir erinnern uns gerne an ihn als scharfsinnigen Analytiker, unbeirrbaren Verteidiger des Rechtsstaats und als Intellektuellen, der sich nicht scheute, auch gegen den Strom zu schwimmen.
























