Manfred A. Schmid

Schmid, Manfred A.

Theaterkritiker.

Dr. Manfred A. Schmid war ein österreichischer Journalist, Musikwissenschaftler, Verlagsmanager und Komponist. Er prägte über Jahre hinweg den Kulturjournalismus in Wien und galt in seinen späten Jahren als einer der profiliertesten und unbestechlichsten Opernkritiker der Bundeshauptstadt.

Manfred A. Schmid verband von Beginn an Musik und Geisteswissenschaften. Er studierte zunächst Violine und Tonsatz am Konservatorium in Klagenfurt sowie parallel Philosophie und Psychologie an der Universität Wien. Ein Postgraduate-Studium der Literatur-wissenschaft absolvierte er an der University of Strathclyde im schottischen Glasgow, wo er zeitweise auch als Lektor unterrichtete. Nach einer mehrjährigen Station als Universitätsdozent an der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) kehrte er schließlich nach Österreich zurück.

Zurück in Wien übernahm Schmid die Position des Cheflektors und Verlagsleiters der Edition S, dem Belletristik-Zweig des traditionsreichen Verlags der Österreichischen Staatsdruckerei. Anschließend folgte eine rund zehnjährige Phase als prägender Redakteur bei der Wiener Zeitung. Dort leitete er das Medienressort, verfasste pointierte Theater- sowie Musikkritiken und bereicherte die Wochenendbeilage Extra als regelmäßiger Kolumnist. Nach seiner Zeit im Tageszeitungsjournalismus gab er sein Wissen zeitweise als Kommunikationstrainer und Coach in der Berufsorientierung weiter.

Manfred A. Schmid fungierte als sein engster Vertrauter bei der Aufarbeitung von Gottfried von Einems Lebensgeschichte. Er zeichnete dessen vielbeachtete Autobiografie auf und brachte sie als Co-Autor heraus: „Ich hab' unendlich viel erlebt“ (erschienen 1995 im Verlag Ibera & Molden). In diesem Buch hielt Schmid unter anderem die historischen Details rund um von Einems Engagement bei den Salzburger Festspielen und den legendären Brecht-Skandal fest.

Auch im Ruhestand blieb Schmids Leidenschaft für das Musiktheater ungebrochen. Er avancierte zu einer tragenden Säule des Kulturportals Online Merker. Neben seinen Rezensionen zu den Produktionen der ⁠Wiener Staatsoper lag ihm vor allem die freie, zeitgenössische Szene am Herzen.

Ein Schwerpunkt seiner späten journalistischen Arbeit war die Begleitung des ⁠sirene Operntheaters. Schmid zeigte großes Gespür für moderne, experimentelle Musiktheaterformen und begleitete die Uraufführungen des Ensembles mit scharfsinnigen, fachlich fundierten Kritiken. Er würdigte die Produktionen Kabbala (2022), Makrokosmos (2022), Miameide (2023), Die Puppe (2024) und Alice - eine phantastische Revue (2024), die er als liebenswertes musikalisches Kleinod feierte.

Schmid war bekannt für seine kompromisslose Haltung: Als erklärter, scharfzüngiger Gegner eines rein effekthaschenden Regietheaters geriet er gelegentlich in Konflikt mit den großen Opernhäusern, bewahrte sich dadurch aber eine von Presse-Freikarten völlig unabhängige, unerbittliche Objektivität.

Neben seiner journalistischen Arbeit widmete er sich bis zuletzt intensiv dem eigenen Komponieren. Manfred A. Schmid verstarb am 21. März 2025, hinterließ ein reiches musiktheoretisches Erbe und wird von uns als scharfdenkender, unbestechlicher Kritiker sehr vermisst.

Manfred A. Schmid