Doron Rabinovici
© Christopher Mavrič
Schriftsteller.
Doron Rabinovici, geboren am 2. Dezember 1961 in Tel Aviv, ist ein israelisch-österreichischer Schriftsteller, Historiker und Intellektueller der Gegenwart. Im Jahr 1964 übersiedelte er mit seiner Familie nach Wien, wo er aufwuchs und bis heute lebt und arbeitet. Diese biographische Verortung zwischen zwei Welten spiegelt sich in seinem literarischen und wissenschaftlichen Schaffen wider, das oft von den Fragen nach Identität, Heimat, Exil und dem Weiterwirken der Vergangenheit in der Gegenwart geprägt ist.
Nach der Schule absolvierte Rabinovici ein Studium der Geschichte und Medizin an der Universität Wien, das er im Jahr 2000 mit einer historischen Promotion abschloss. Seine Dissertation erschien unter dem Titel „Instanzen der Ohnmacht. Wien 1938–1945. Der Weg zum Judenrat“ und entwickelte sich rasch zu einem wissenschaftlichen Standardwerk, das die extremen Zwangslagen und die Handlungsspielräume der jüdischen Selbstverwaltung unter der nationalsozialistischen Herrschaft präzise analysiert.
Parallel zu seiner Historikertätigkeit etablierte sich Rabinovici ab den 1990er-Jahren als feste Größe in der deutschsprachigen Literaturszene. Seinem Debüt, dem Erzählband „Papirnik“ (1994), folgte 1997 der Roman „Suche nach M.“, in dem er die Traumata der Nachkriegsgeneration humorvoll-grotesk verarbeitete. Weitere große literarische Erfolge feierte er mit dem Roman „Andernorts“, der es 2010 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte, der gesellschaftskritischen Dystopie „Die Außerirdischen“ (2017) sowie dem Medien- und Politikroman „Die Einstellung“ (2022), der den rechtspopulistischen Umbau einer Demokratie beschreibt.
Neben Prosa und Wissenschaft widmet sich Rabinovici intensiv dem Theater und szenischen Projekten, die oft dokumentarischen Charakter tragen. Ein Meilenstein war das gemeinsam mit Matthias Hartmann konzipierte Projekt „Die letzten Zeugen“, das 2013 am Wiener Burgtheater Premiere feierte und Überlebende der Shoah zu Wort kommen ließ. Auf die weltweiten gesellschaftlichen Verwerfungen nach den Terrorangriffen der Hamas reagierte er in jüngerer Zeit mit den Lesedramen „Der siebente Oktober“ (2024) und „Nach dem Ende“ (2026).
Als streitbarer Essayist und Redner mischt sich Rabinovici regelmäßig in aktuelle politische Debatten ein, bezieht Stellung gegen Antisemitismus, Rassismus sowie Rechtspopulismus und setzt sich für eine lebendige Erinnerungskultur ein. Für sein facettenreiches Engagement und sein literarisches Werk wurde er mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter dem Jean-Améry-Preis für Essayistik, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.
























