Ulla Remmer
© Ulla Remmer
Sprachwissenschaftlerin.
Die Wiener Sprachwissenschaftlerin, Buchhändlerin und Autorin Ulla Remmer verbindet in ihrer Biografie akademische Forschung mit gelebter Wiener Kulturgeschichte. Geboren und aufgewachsen in Wien, absolvierte sie an der dortigen Universität bis 1998 ihr Studium der Sprachwissenschaft mit der Spezialisierung auf Indogermanistik, wobei ihre Schwerpunkte in der Indo-Iranistik und Keltistik lagen. Nach einer Station als Vertretungsassistentin in Wien führte sie ihr akademischer Weg an das Indogermanische Seminar der Universität Zürich, wo sie von 2002 bis 2009 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an verschiedenen Forschungsprojekten wirkte und im Jahr 2005 promovierte. Ihre universitäre Laufbahn war von Forschungsaufenthalten in Leiden und Maynooth sowie Lehraufträgen in Wien, Salzburg und Zürich geprägt; zudem arbeitete sie als freie Mitarbeiterin am Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
Neben ihrer wissenschaftlichen Karriere ist Ulla Remmer tief im Wiener Buchhandel verwurzelt: Gemeinsam mit ihrer Schwester Susanne leitet sie in der Wiener Innenstadt die geschichtsträchtige Universitätsbuchhandlung Franz Leo & Comp. (heute kurz Buchhandlung Leo). Diese traditionsreiche Institution, die bereits im Jahr 1817 gegründet wurde, hat eine bewegte Geschichte an wechselnden Standorten hinter sich und wurde 1938 von ihrem Großvater Hans Remmer übernommen. Über sieben Jahrzehnte lang war die Buchhandlung im berühmten Heinrichshof am Opernring eingemietet, ehe sie in den 1950er-Jahren an ihren heutigen Standort am Lichtensteg nahe dem Hohen Markt übersiedelte.
Diese familiäre Verbindung zu dem einstigen Prachtbau der Ringstraße inspirierte Ulla Remmer zu einer intensiven, achtjährigen Forschungsarbeit, die sie neben ihrer Tätigkeit in der Buchhandlung betrieb. Das Resultat erschien im November 2025 im Mandelbaum Verlag unter dem Titel Das verlorene Vis-à-Vis am Opernring. Eine Gesellschaftsgeschichte des Heinrichshofs in Wien. In diesem rund 500 Seiten starken zeithistorischen Werk rekonstruiert sie anhand historischer Quellen das faszinierende, vielschichtige Sozialgefüge des von Theophil Hansen entworfenen und 1945 durch Bomben zerstörten Gründerzeitpalastes. Mit diesem Buch gelang ihr eine vielbeachtete Verknüpfung aus akribischer Archivarbeit, Wiener Stadtgeschichte und persönlicher Familiengeschichte.
























